Blick aus Vogelperspektive auf Bäume und Wiese

Bulgarischer Wein: Melnik, Mavrud und Geschichte

Bulgarien, das Land mit dem Goldstrand am Schwarzen Meer, ist nicht in allen deutschen Weinregalen vertreten. Ein Jammer, denn bulgarischer Wein bietet nicht nur besondere Vielfalt, sondern auch eine weitverzweigte Geschichte. Wer sich dieser Kultur öffnet, entdeckt neue Rebsorten wie Melnik, Mavrud sowie Pamid – und mit ihnen vielleicht sogar neue Lieblingsweine.

Wein aus Bulgarien: Historisch bedeutsam

Über die genauen Anfänge des Weinbaus diskutieren Historiker bis heute. Nicht sicher ist dabei, ob die ersten Weine nahe des Schwarzen Meers oder doch einige Kilometer weiter östlich entstanden. Fest steht dabei aber, dass die Weinkultur im antiken Thrakien auch bulgarischen Boden berührte. So vermuten Experten, dass bulgarischer Wein bis etwa in das achte Jahrhundert vor Christus zurückzuverfolgen ist. Als später die Römer das Land besetzten, trieben sie den Weinbau voran und die Winzer profitierten von ihrem Wissen. Thrakischer Wein galt damals als besonders.

Über die Jahrhunderte hinweg entwickelte sich Bulgariens Weinkultur weiter. Im Mittelalter unterstützten Mönche den Fortschritt. Eine kurze Zeit lang tat sich nichts, denn unter türkischer Herrschaft spielte der Wein aus religiösen Gründen keine Rolle. Im zwanzigsten Jahrhundert dann fiel die Reblaus in Bulgarien ein und zerstörte weite Teile der bestockten Rebfläche.

Auf den leeren Weinbergen pflanzten bulgarische Winzer dann nach der Reblauskrise nicht nur ihnen bekannte einheimische Rebsorten an. Auch französische Reben wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay fanden ihren Weg in die Weingärten des Landes. Die Winzer nahmen sich ein Beispiel an europäischen Genossenschaften. Nach dem Staatsmonopol Vinprom und der industriellen Weinherstellung für den gesamten Ostblock privatisierte das Land die Weingüter 1990. So entwickelte sich Wein aus Bulgarien zu einem beliebten Exportgut, das Händler auch heute in großen Mengen außerhalb des Landes verkaufen.

Klippe, azurblaues Wasser und blauer Himmel

Klima und Weinbaugebiete in Bulgarien

Bulgariens Talent für den Weinbau ist kein Zufall. Das im Land vorherrschende, gemäßigt kontinentale Klima eignet sich ideal, um Reben anzubauen. Während es im Frühling und frühen Sommer noch ausreichend regnet, herrscht im Sommer trockene Hitze. Später im Herbst folgt mildes, niederschlagsarmes Wetter. Wichtig ist zudem, wo bulgarischer Wein entsteht. Das Balkangebirge teilt das Land in südliche und nördliche Gefilde. Der Norden fällt grundsätzlich durch ein etwas kühleres Klima auf. Reben, die näher am Schwarzen Meer gedeihen, erleben zudem ein gemäßigteres Klima als Gewächse im kontinental geprägten Westen des Landes.

Dieser klimatische Rahmen sorgt dafür, dass es mehrere Weinbaugebiete in Bulgarien gibt. Experten unterteilen das Land in fünf verschiedene Regionen:

  • Donauebene

In dieser Region im Norden des Landes herrscht ein gemäßigtes Klima mit viel Sonne. Die Sommermonate sind trocken und heiß. Sowohl weiße als auch rote Rebsorten finden sich in den Weinbergen.

  • Schwarzes Meer

Am Schwarzen Meer ist das Klima gemäßigt und zeichnet sich durch besonders milde Herbstmonate aus. Daher kultivieren Winzer in dieser Gegen vor allem weiße Rebsorten.

  • Rosental

Das Rosental befindet sich im Zentrum Bulgariens. Nördlich begrenzt das Balkangebirge die Region. Weiße und rote Rebsorten stehen in den Weinbergen und es finden sich einige europäische Vertreter wie Riesling und Merlot.

  • Oberthrakische Tiefebene

Die Oberthrakische Tiefebene liegt im Süden des Landes. In der gesamten Vegetationsphase regnet es ausreichend und Rebsorten wie Mavrud, Pamid und Merlot gedeihen gut.

  • Struma-Tal

In dieser bulgarischen Weinbauregion genießen Reben ein beinahe mediterran geprägtes Klima. Die regional bedeutsame Rebsorte Melnik ist hier nebst Merlot und Cabernet Sauvignon vertreten.

Bulgarische Rebsorten und der Wein

In Bulgarien stehen etwa 97.000 Hektar Land unter Reben. Lediglich die Höhenzüge des Balkangebirges eignen sich nicht, um Wein anzubauen. Etwa zwei Drittel des produzierten Weins sind rot, ein Drittel weiß. Ungefähr die Hälfte exportieren die Winzer. Bulgarischer Wein ist vor allem in Russland und Polen, aber auch in

  • Deutschland
  • Großbritannien
  • Litauen
  • und Lettland

beliebt. Die am häufigsten kultivierte Rebsorte Bulgariens ist die Rotweinrebe Pamid. Weitere bulgarische Rebsorten sind

  • Rkaziteli
  • Dimiat
  • Melnik
  • Misket
  • und Mavrud.

Da die Winzer des Landes bereits seit vielen Jahren auch Rebsorten aus anderen Teilen Europas kultivieren, finden sich

  • Merlot
  • Cabernet Sauvignon
  • Chardonnay
  • Riesling
  • und Ugni Blanc

ebenfalls im bulgarischen Rebsortenspiegel.

Bulgarischer Wein ist in vier Qualitätsstufen erhältlich. Es gibt

  • Landwein
  • Sortenwein aus nur einer Rebsorte
  • Reserve mit bestimmter Reifezeit
  • und Controliran.

Bei den Reserve-Weinen reifen weiße Exemplare mindestens zwei und rote drei Jahre. Controliran-Weine stammen aus vorab definierten Gebieten. Eine spezielle Kommission prüft den Wein drei Jahre lang, bevor sie das Prädikat erteilt. So hat sich Wein aus Bulgarien zu einem geschätzten Genuss entwickelt, für den die Winzer hart arbeiten. Vor allem Reserve und Controliran gelten als hochwertig, aber auch unter den Sorten- und Landweinen finden Genießer heute großartige Tropfen, die anspruchsvolle Gaumen zufriedenstellen.

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