Kleine Weinkunde: Was man über Weißwein wissen sollte

Weisswein
 
Zahllose Facetten, von Violett über Orange bis hin zu Grün und Gold, finden sich im Kaleidoskop der Weinkultur wieder. Um die Unterteilung zu vereinfachen, gelten die drei Hauptkategorien Rotwein, Weißwein und Rosé als Wegweiser. Doch selbst hier zeigt sich innerhalb eines jeden Bereiches ein Spektrum, das sich erst mit einem genaueren Blick erkunden lässt. Auch der Weißwein bietet mehr als helle Farbe und junge Frucht.
 

Weißwein – Helles Köpfchen, vielfältiger Genuss

 
Weißwein entsteht genau wie seine roten und roséfarbenen Verwandten im Rahmen der Vergärung von Weintrauben. Während Rotwein und Rosé jedoch nur aus dunklen Rebsorten hergestellt werden können, steht dem Weißwein eine breitere Rebsorten-Auswahl zur Verfügung. Selbst aus roten Rebsorten wie Spätburgunder und Pinot Noir kann bei rechtzeitiger Trennung des Mostes von den dunklen Traubenhäuten heller Wein produziert werden. Dieser „Blanc de Noirs“ kommt in der Welt des Weißweines zwar selten vor, ist aber ein gutes Beispiel für die mögliche Vielfalt.

In Regionen, die für ihren Weißwein bekannt sind, zeigt sich zur Zeit der Lese daher ein recht vielseitiges Bild aus gelben, goldenen, grünen und teilweise sogar grauen Trauben. Sie alle warten auf den richtigen Zeitpunkt der perfekten Reife, bevor sie gepresst und schließlich zu Weißwein verarbeitet werden können. Wo die Trauben gedeihen, ist für den späteren Stil des Weines von Bedeutung. So sind Gebiete mit kühlerem Klima und wenigen Sonnenstunden bekannt für ihre leichten und frischen Weißweine, während in warmen Gefilden wie Rueda durchaus saftige Weine mit süßer Frucht entstehen. Doch auch hier haben Winzer in aller Welt längst erkannt, dass sie großen Einfluss auf den Geschmack und den Stil ihrer hellen Tropfen nehmen können.

Daher finden Genießer heute Weißweine mit trockenem, halbtrockenem, lieblichem und süßem Geschmacksprofil. Je früher die alkoholische Gärung beendet oder unterbrochen wird, desto süßer schmeckt der helle Tropfen im Glas. Auch die Trocknung von Weißweintrauben vor der Vergärung ist eine beliebte Methode, um Weißweinen eine besondere Süße zu verleihen. Zu sehen ist dies vor allem beim Sherry, dessen Trauben zuvor in der heißen andalusischen Sonne auf Schilfgrasmatten trocknen dürfen. Ebenfalls für eine herrliche Süße im Weißwein verantwortlich kann die Edelfäule sein, die Trauben mit bereits stark fortgeschrittener Reifung befällt.

 

Diese weißen Rebsorten liebt die Welt

 
Die meisten Länder, in denen Weinbau betrieben wird, lassen sich anhand ihres Rebsortenspiegels in Weißwein- oder Rotweinländer unterteilen. So sind vor allem Deutschland, die Schweiz und Österreich mit über fünfzig Prozent weißen Reben in der Gesamt-Rebfläche bekannt für ihre hellen Tropfen. Auch im Norden Frankreichs mit Regionen wie der Champagne, der Loire oder dem Elsass dominiert der Weißwein. Als Besonderheit gilt er jedoch auch im eigentlichen Rotweinland Spanien, denn hier spielen die Rebsorten Airén und Verdejo trotz namhafter Konkurrenz wie Tempranillo und Garnacha eine wichtige Rolle. Italiens Winzer hingegen räumen sowohl den weißen als auch den roten Tropfen gleichermaßen viel Raum ein. Als besonderes Glanzlicht mit heller Färbung gilt hier der Lugana aus dem Grenzgebiet zwischen Venetien und der Lombardei.

Dass die spanische Airén mit rund 308.000 Hektar Rebfläche weltweit zu den häufigsten Weißweinreben zählt, dürfte so manchen Kenner überraschen. Ihr schließt sich mit knapp 223.000 Hektar die Trebbiano-Familie an, bevor der berühmte Chardonnay mit 175.000 Hektar seinen Platz einnimmt. Diese drei weißen Reben bilden das Dreigestirn des Weißweinanbaus, führen allerdings eine lange Liste nicht weniger bedeutsamer Sorten an.
 

Zu den größten Weißweinreben weltweit gehören auch:

  • Riesling (ca. 60.000 Hektar),
  • Chenin Blanc (ca. 54.000 Hektar),
  • Pardillo (ca. 51.700 Hektar),
  • Macabeo (ca. 47.000 Hektar),
  • Sauvignon Blanc (ca. 45.000 Hektar),
  • und der Rivaner (ca. 45.000 Hektar).

 
Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige weiße Reben mit deutlich geringerer Verbreitung für echten Qualitätsgenuss stehen. Auch Gewürztraminer, Pédro Ximénez und Rebsorten wie Palomino Fino und Weißburgunder gelten vor allem dank regionaler Bemühungen als bedeutsam.

 

Weißwein richtig lagern und genießen

 
Weißweine können durchaus lange lagerfähig sein. Eiswein, Trockenbeerenauslesen und Tropfen mit stabiler Säure und vergleichsweise hohem Alkoholgehalt überstehen auch Lagerungszeiten von mehr als 15 Jahren. Entscheidend ist hier jedoch stets der individuelle Wein.

Um einen Weißwein fachgerecht lagern zu können, braucht es einen kühlen und dunklen Ort. Herrschen hier zwischen zehn und zwölf Grad Celsius und können die Flaschen je nach Art sowohl stehend als auch liegend gelagert werden, sind die Voraussetzungen gut. Handelt es sich um eine Flasche mit Naturkorken, so sollte diese liegend gelagert werden. Alle anderen Verschlüsse wie Kunststoffkorken oder Schraubverschlüsse erlauben auch eine Lagerung im Stehen.

Was den Genuss von Weißwein betrifft, so beginnt dieser schon mit der Auswahl des passenden Glases und der Serviertemperatur. Leichte Weine mit trockenem Charakter fühlen sich bei acht bis elf Grad Celsius in kleinen und weniger bauchigen Gläsern wohl, während kräftigere Tropfen und solche aus Holzfasslagerung gerne in größeren und bauchigeren Gläsern bei zehn bis zwölf Grad genossen werden können. Für süße und edelsüße Weißweine eignen sich kleine Gläser, die sich nach oben hin deutlich verjüngen. Ihr Potenzial entfalten sie erst bei etwas höheren Temperaturen bis zu 14 Grad Celsius. Ein halbtrockener, junger Weißwein wird im gleichen Glas wie ein trockener Tropfen getrunken, braucht jedoch Serviertemperaturen zwischen zehn und zwölf Grad.

Auch als Speisebegleiter erweist sich Weißwein als vielfältiger Alleskönner. Fruchtig und leicht harmoniert er zu frischen Gemüsegerichten und Pasta. Halbtrockene und trockene Weißweine servieren Kenner zu Fisch, Geflügel oder auch zu mildem Käse. Bei Gerichten mit vergleichsweise saurem Geschmack wie Salaten mit Essig sollte kein allzu säurehaltiger Weißwein ausgewählt werden, denn dann multipliziert sich der saure Charakter beider Komponenten. Zu süßen Desserts allerdings darf es gerne ein ebenso süßer Weißwein sein.
 

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