Die schönen Gassen in Rothenburg, Deutschland

Weinwissen II: Deutschland

Wo liegt das südlichste Weinbaugebiet Deutschlands? In der Pfalz? In Baden? Oder vielleicht im Rheingau?

Das südlichste Weinbaugebiet Deutschlands ist Baden. Und nicht nur das. Aufgrund seiner Lage befindet sich Baden sogar in einer anderen Weinbauzone. Es ist die einzige Weinbauregion der Bundesrepublik, die der Weinbauzone B zugeordnet wird. Alle anderen Regionen sind Teil von Weinbauzone A.

Dies weist darauf hin, dass Baden auch klimatisch besonders ist und den Reben ähnliche Bedingungen wie mediterrane Anbauregionen bietet. Dies erklärt auch, warum in Baden vor allem der Rotwein regiert, während das restliche Deutschland zumeist unter dem Stern des Weißweins steht.

Woher stammt die Liebfrauenmilch? Aus dem Klostergarten in Worms? Dem Doctorberg in Bernkastel? Oder aus dem Pfarrgarten in Zell an der Mosel?

Ursprünglich stammt die Liebfrauenmilch aus dem Garten des Wormser Liebfrauenklosters. Dieser Name findet sich zum ersten Mal in Dokumenten aus dem Jahre 1744. Zum damaligen Zeitpunkt war die Bezeichnung Liebfrauenmilch ausschließlich Weinen aus dieser Lage vorbehalten. Da dieser Wein als besonders wohlschmeckend galt und mit Süße punktete, genoss er bald internationales Ansehen.

Doch die Liebfrauenmilch fand viele Nachahmer, was auch ihrem Ruf schadete. Eine Neuregelung behob dies. Heute ist ein Wein nur dann Liebfrauenmilch, wenn er zu wenigstens siebzig Prozent aus den Sorten Kerner, Bacchus, Müller-Thurgau, Silvaner oder Riesling besteht und nicht weniger als 18 Gramm Restzucker je Liter aufweist.

Weinberge in Kaiserstuhl, Baden

Was verstehen badische Winzer unter einem Klingelberger? Die Rebsorte Riesling? Eine besondere Lage? Oder einen Mitarbeiter im Keller?

Unter dem Namen Klingelberger verstehen badische Winzer eine Bezeichnung für die Rebsorte Riesling. Der Name ist lediglich lokal verbreitet. Vermutlich wurde er erstmals in Durbach vom Markgrafen von Baden verwendet, der den Riesling auf seinem Weingut verarbeitete.

Heute kommt Klingelberger oft aus den Weingemeinden Offenburg, Ortenberg, Fessenbach, Zell-Weierbach, Rammersweier und Oberkirch. Ein weiteres Detail, das die Namensgebung erklären könnte: In Oberkirch gibt es zwei Weinlagen, die den Namen Klingelberg tragen. Sie gelten als besonders hochwertig und gut für den Rieslinganbau geeignet.

Wie hoch ist der Mindestalkohol bei deutschen Beeren- und Trockenbeerenauslesen? Mindestens 5,5 Vol. %? Wenigstens 7,5 Vol. %? Oder mindestens 9,0 Vol. %?

Das deutsche Weingesetz legt fest, unter welchen Bedingungen ein Wein mit einer bestimmten Bezeichnung auf den Markt gelangen darf. Für Beerenauslesen, Eiswein und Trockenbeerenauslesen gilt hierbei ein Mindestalkoholgehalt von rund 5,5 Volumenprozent.

Der Hintergrund für diesen eher moderaten Alkoholgehalt ist, dass der Gärprozess zugunsten der gewünschten Süße des Weines bereits früh beendet werden darf. Somit hat die Hefe nicht genügend Zeit, um all den Zucker aus den Trauben in Alkohol umzuwandeln und der Restzuckergehalt liegt auf hohem Niveau. Das natürliche Mindestmostgewicht bei diesen Weinen schreibt das Gesetz ebenfalls vor. Es muss zwischen siebzig und 154 Grad Oechsle liegen.

Aus welchem Weinbaugebiet kommt der Escherndorfer Lump? Aus Franken? Aus der Ahr? Oder vielleicht aus der Pfalz?

Der Escherndorfer Lump ist eine Weinlage aus Franken. Bis 1972 trug er lediglich den Namen Lump. Es handelt sich hier um eine besonders steile Lage, die sich ähnlich eines Hohlspiegels leicht gebogen von Westen gen Osten erstreckt. Die Reben genießen hier besonders viel Sonnenlicht und ein für den Weinbau ideales Mikroklima. Unter der Erdoberfläche im Escherndorfer Lump wurzeln die Rebstöcke in Muschelkalk, der die mit mineralreicher Feuchtigkeit versorgt. Unter Weinexperten gilt die Lage als besonders hochwertig. Sogar Goethe soll von diesem Wein begeistert gewesen sein.

Bild von Fluss und Fachwerkhäuschen in Nürnberg, Franken

Welcher Boden bringt viel Kraft und Aromen in deutschen Weißwein? Vulkanischer Boden? Kalkboden? Oder ist es vielleicht Schieferboden?

Das Mineralstoffangebot unter der Erdoberfläche eines Weinbergs ist maßgeblich verantwortlich für das Wachstum der Reben und der Früchte. Als besonders aromatisch und kräftig empfinden viele Experten Weine, deren Lesegut einst an Rebstöcken auf Vulkangestein reifte.

Das liegt daran, dass vulkanische Böden viele wichtige Mineralstoffe enthalten, die für das Gedeihen von Pflanzen wichtig sind. Auch ist vulkanischer Boden nicht selten gut durchlässig, was die Pflanzen vor Staunässe schützt und aromatische Früchte fördert. Inwiefern sich Vulkanstein auf konkret mineralische Aromen im Wein auswirkt, ist indes noch nicht hinreichend geklärt.

Wann entstand die Spätlese im Rheingau offiziell? War es 1855? Geschah es im Jahr 1775? Oder vielleicht bereits 1560?

Der Geschichte nach entdeckte die Spätlese im Jahr 1775 das Licht der Welt. Zur damaligen Zeit oblag es dem Fürstabt Fuldas, den Beginn der jährlichen Lese offiziell schriftlich zu gestatten. Im Jahre 1775 allerdings kam der Reiter mit dem Schriftstück nicht rechtzeitig an und verspätete sich um einige Tage.

Dies führte dazu, dass die Trauben nicht wie sonst gelesen wurden und teilweise bereits faulig waren. Die Mönche verwarfen das faule Lesegut jedoch nicht, sondern verarbeiteten es gesondert. Das Ergebnis dieses Versuchs überzeugte sie und die Weinwelt so sehr, dass eine späte Lese fortan zu den gängigen Methoden im Weinbau gehörte.

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