Wein verkosten wie die Profis. Egal, ob Aussehen, Textur, Geschmack oder Geruch – wir erklären, welche Punkte und Schritte Sie beachten sollten.

Wein verkosten wie die Profis

Jeder Wein entführt seinen Genießer in eine faszinierende und facettenreiche Kultur. Ihn als schnellen und oberflächlichen Genuss zu bezeichnen und so zu behandeln, würde der langjährigen Sorgfalt und Leidenschaft aller Winzer der Welt nicht gerecht werden. Das Prozedere bei einer Weinverkostung basiert daher auf Ruhe, Entspannung und wohltuender Konzentration. Interessant hierbei ist, dass jeder Genießer seinen Wein auf eine ganz individuelle Weise erlebt und schätzt.

Diese Vielfalt der Eindrücke zu bündeln, ist der Zweck unseres neuen Weinverkostungs-Tools, der Verkostungsnotiz von Silkes Weinkeller. Hier erhalten Weinliebhaber die Gelegenheit, ihre ganz eigene Sicht zum Ausdruck zu bringen und die Welt der professionellen Bewertung noch vielseitiger zu gestalten. Zuvor jedoch ist es wichtig, die entscheidenden Details einer Weinverkostung kennenzulernen.

Vorbereitungen vor der Verkostung

Es lohnt sich, vor dem Eintauchen in den Charakter eines Weins kurz innezuhalten und den Moment mit ruhiger Entspannung zu begrüßen. Die aromatische Wahrnehmung von Nase und Gaumen sollten hier völlig frei von störenden Einflüssen sein. Daher ist es wichtig, vor der Verkostung weder zu rauchen, aromatische Speisen zu genießen oder Kaffee zu trinken. Empfehlenswert ist der Einstieg mit einem Schluck Wasser und etwas neutral schmeckendem Weißbrot.

Der Wein selbst sollte den Empfehlungen entsprechend auf die Verkostung vorbereitet werden. Hierzu gehört beispielsweise das Dekantieren des Tropfens und auch das Temperieren des Weins. Weißweine und Rosés werden hierbei in aller Regel kühler genossen als dichte und würzige Rotweine. Mit einem Weinthermometer lässt sich die aktuelle Temperatur leicht bestimmen.

Sind Wein und Genießer bereit, wird ein passendes Glas ausgewählt. Dünnwandig und in der Form, die dem individuellen Wein entspricht, entwickelt sich das Glas zu einer schützenden „zweiten Haut“ und erleichtert das Erkennen von Aroma, Textur und Farbe. Es lohnt sich, das Glas zunächst mit einem kleinen Schluck Wein zu „avinieren“. Hierfür gießt der Verkoster maximal vier Zentiliter Wein in das Glas und schwenkt es so, dass seine Innenwände vollständig mit dem Wein in Berührung kommen. Dieser erste Schluck wird dann weggeschüttet und das Glas bietet eine neutrale Basis frei von Spülmittelresten, Fremdaromen und Staub.

Zusammenfassung

  • Vor der Verkostung nicht rauchen, keine aromatischen Speisen, kein Kaffee
  • Den Mund mit einem Schluck Wasser und etwas Weißbrot neutralisieren
  • Den Wein richtig temperieren und dekantieren
  • Ein passendes Glas auswählen und dieses avinieren

Den Wein in Augenschein nehmen

Weinverkostung wie die Profis

 
Die Farbe des Weins ist der erste Eindruck, den ein Genießer von seinem Tropfen gewinnt. Hierfür wird das Glas behutsam am Fuß oder Stiel gehalten, um den Wein nicht unnötig zu erwärmen. Während die Hand das Glas sanft schwenkt, nimmt das Auge das Spiel der Farben auf. Dabei verrät das optische Erscheinungsbild eines Weins viel über dessen Qualität und Charakter. Die farbliche Begutachtung sollte am besten vor einem hellen Hintergrund wie einer weißen Wand oder einem Blatt Papier erfolgen, um eine Vermischung mit den Farben der Umgebung zu vermeiden.

„Tränt“ nach dem Schwenken viel Wein von den Glaswänden herab, so handelt es sich um einen besonders gehaltvollen Tropfen. Über das Alter, die Intensität und die Herkunft verrät die Farbe des Weins viel. Je dunkler ein Weißwein ist, desto reifer ist er, während helle Farbspiele bei Rotwein für gehobenes Alter sprechen. Dies begründet sich damit, dass Farbpigmente bei langer Lagerung nach unten sinken und den Wein so heller erscheinen lassen. Dunkle Rotweine sind jedoch nicht grundsätzlich jünger, sondern können ebenfalls aus Gebieten mit heißem Klima stammen oder aus einer farbintensiven Rebsorte hergestellt worden sein.

Sowohl für Rosé und Weißwein als auch für Rotwein lassen sich dann zahlreiche unterschiedliche Farbtöne erkennen. Goldgelb, Hellbraun, Pink, Lachs, Kirschrot und Violett sind nur ein kleiner Teil dessen, was sich im Glas zeigen kann. Auch Mischungen und farbige Glanzlichter erkennt das Auge bei geruhsamer Begutachtung. Für die entdeckten Farben findet der Verkoster in der Verkostungsnotiz einige Auswahlmöglichkeiten und genügend Raum für ganz individuelle Bemerkungen und Eindrücke.

Zusammenfassung

  • Das Glas am Fuß oder Stiel halten
  • Den Wein im Glas etwas schwenken und das Farbspiel begutachten (am besten vor weißem Hintergrund)
  • „Tränende“ Weine gelten als besonders gehaltvoll
  • Faustregel: Je dunkler ein Weißwein, desto reifer – je heller das Farbspiel beim Rotwein, desto höher sein Alter.

Die Nase lernt den Wein gemächlich kennen

Auf die optische Begutachtung folgt das Eintauchen in das Bouquet des Weins mit der Nase. Hierfür schwenkt der Genießer das Glas kurz und kräftig und hält dann die Nase tief in das Glas. Durch das Schwenken intensiviert sich das aromatische Spiel und wird so leichter zugänglich. Ein tiefer und nicht zu langer Atemzug mit der Nase schafft dann einen ersten Eindruck. Es lohnt sich, die Verkostung mit der Nase über einen längeren Zeitraum durchzuführen, da sich die Aromatik des Weins im Laufe der Zeit verändern kann. Mehrere Atemzüge in kurzen Abständen entlocken dem Tropfen dann auch die Noten, die sich hinter dominanteren Nuancen verbergen. Eine weitere Hilfe bietet unser Weinmaleins der Aromen.

Die bekanntesten Aromen finden sich im Verkostungs-Tool für Rotwein, Rosé und Weißwein wieder. Dabei ist es jedoch durchaus möglich, dass der Genießer olfaktorische Eindrücke gewinnt, die sich vom Üblichen unterscheiden. Auch hier hilft das Notieren der eigenen Erfahrungen bei der umfassenden Bewertung eines Tropfens.

Zusammenfassung

  • Das Glas kurz schwenken und die Nase tief ins Glas halten
  • Tief und nicht zu lange einatmen für einen ersten Eindruck
  • Mehrere Atemzüge in kurzen Abständen verschaffen Zugang zu den nicht so dominanten Nuancen

Am Gaumen offenbart sich die Textur

Haben Auge und Nase den Wein hinreichend erforscht, ist der Gaumen an der Reihe. Die bereits gewonnenen Erfahrungen bilden dann die Basis für weitere Entdeckungen. Um die Textur des Weins zu erleben, wird dieser kurz geschlürft und im Anschluss im Mund behalten. Leichtes Rollen am Gaumen und das „Kauen“ des Weins durch sanfte Kieferbewegungen erleichtern die Beurteilung.

Die Textur eines Weins ist ein spannendes Feld, das sich abseits von einzelnen Aromen und Nuancen entfaltet. Hier geht es um das Erkennen des Charakters und der Struktur, weswegen individuelle Noten zunächst im Hintergrund bleiben. So kann sich ein Weißwein am Gaumen sehr leicht und knackig-frisch anfühlen, während ein Rotwein mit wuchtiger Fleischigkeit daherkommt. Die strukturelle Beschaffenheit zeigt dem Genießer dann, wie reif ein Wein ist, welche Rebsorten verwendet wurden und sie gibt Hinweise auf den individuellen Stil einer Region und des jeweiligen Weinguts. Es lohnt sich daher auch hier, behutsam und gemächlich vorzugehen. Beim Festhalten der Eindrücke hinsichtlich der Struktur findet der Genießer wieder einige Inspiration in der Verkostungsnotiz. Der individuellen Wahrnehmung trägt auch hier die Möglichkeit für eigene Bemerkungen Rechnung. Ein bewusst gewagter Blick über die gewohnten Punkte hinaus erweist sich dann als wertvoll für die Betrachtung des Weins.

Zusammenfassung

  • Den Wein schlürfen und im Mund behalten
  • „Kauen“ und Rollen am Gaumen helfen

Geschmackliche Eindrücke mit Gaumen und Zunge sammeln

Professionelle Weinverkostung Rotwein

Das Vorgehen bei der aromatischen Beurteilung eines Weins am Gaumen gleicht der vorgenannten Prozedur zur Erkundung der Textur. Durch das Schlürfen des Weins und das Einsaugen von Sauerstoff entwickeln sich aromatische Dämpfe. Diese erleichtern die Verbindung olfaktorischer und gustatorischer Sinneseindrücke und somit auch das Erkennen einzelner Noten und Nuancen. Das Zusammenwirken von Geruchs- und Geschmackssinn über die sogenannte retronasale Verbindung bei der Erkundung der Aromen eines Weins erfordert etwas Konzentration und Geduld.

Von Schluck zu Schluck entfaltet sich dann das aromatische Profil des verkosteten Weins. Hier zeigen sich individuelle und ganz typische Noten, die sowohl für die Rebsorte als auch für die Anbauregion und den Ausbau stehen. Um einen guten Eindruck zu gewinnen, genügt das Aufnehmen einer geringen Menge Wein mit dem Mund. Zum leichteren Vergleich handelt es sich hier in der Regel um etwa einen Esslöffel voll Wein. Professionelle Verkoster schlucken den Wein während der aromatischen Begutachtung nicht hinunter, sondern spucken ihn aus.

Erst wenn alle spürbaren Noten erkannt und notiert wurden folgt ein letzter Schluck, der ganz dem Abgang des Tropfens gewidmet ist. Durch sanftes Ausatmen durch die Nase offenbart sich über die retronasale Verbindung ein Zugang zu den Noten, mit denen sich der Wein von seinem Genießer verabschiedet.

Alle erkannten Nuancen finden im Anschluss Platz in der entsprechenden Sparte der Verkostungsnotiz. Weitere individuelle Entdeckungen tragen Genießer zusätzlich ein und verleihen ihrer Sicht auf den Wein so Ausdruck. In den zusätzlichen Bemerkungen können dann außerdem Erkenntnisse über die Länge des Abgangs, die Komplexität des Tropfens und weitere spannende Entdeckungen notiert werden. Die Gesamtbewertung nach dem Sternesystem schließt die Verkostung dann ab.

Zusammenfassung

  • Pro Schluck genügt etwa ein Esslöffel Wein
  • Professionelle Verkoster spucken den Wein wieder aus
  • Zum Schluss folgt ein letzter Schluck für den Abgang

Warum Jahrgang und Name eine Rolle spielen

Dass auch der Name und der Jahrgang entscheidend beim Festhalten der eigenen Erfahrungen mit einem Wein sind, basiert auf vielfältigen Gründen. So lässt sich die selbst erstellte Verkostungsnotiz nur dann einem Wein zuteilen, wenn Name und Jahrgang bekannt sind.

Darüber hinaus ist die Angabe des Jahrgangs ein wichtiger Punkt, der auch die Entwicklung eines Weinguts und des Anbaugebiets definieren kann. Immer wieder schlagen Kellermeister und Weingutsbesitzer ganz neue Wege ein, optimieren ihre Erträge, die Vinifikation und den Ausbau. Durch vielfältige Verkostungsnotizen zu unterschiedlichen Jahrgängen zeichnen alle Genießer gemeinsam ein Bild, das Vergangenheit und Gegenwart in Einklang bringt und zudem erste Schlüsse auf die Zukunft eines Tropfens zulässt.
 

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