Weingut Karl May: Jasmin May mit einer Flasche Weißwein an einem Weingut-Stand auf der Prowein 2026

Bio, Burgunder, Blutsbruder: Ein Gespräch mit dem Weingut Karl May auf der ProWein 2026

Früh lesen und bewusst ausbauen. Jasmin May vom Weingut Karl May zeigt auf der ProWein, wofür der Familienbetrieb steht. Die Familie rückt den Riesling ins Zentrum und lässt im Winter Schafe durch die Reben ziehen. Auch eine eigene alkoholfreie Erfrischung aus Scheurebe, Lavendel und Rosmarin hat sie im Gepäck. Ein Gespräch über Haltung, Klimawandel und die Frage, warum Wein kein schlechtes Gewissen braucht.

Wer den Namen Karl May hört, denkt sofort an Abenteuerromane. Jasmin May schmunzelt, wenn sie darauf angesprochen wird:

„Mein Schwiegervater heißt tatsächlich einfach Karl May. Wir sind nicht mit dem Schriftsteller verwandt, aber die Menschen verbinden damit positive Kindheitserinnerungen. Selbst mein Papa hat früher unter der Bettdecke Karl-May-Bücher gelesen. Die Leute stutzen erst einmal und sagen: ‚Ach guck mal, Karl May macht jetzt auch Wein?‘ Wir finden es schön, dass sie so etwas Positives mit dem Namen verbinden und hoffen natürlich, dass sie in Zukunft genauso positiv über unsere Weine denken.“

Hinter dem berühmten Namen steckt hier ein rheinhessischer Familienbetrieb, der klare Kante zeigt. Seit 2008 führen die Brüder Fritz und Peter May das Weingut gemeinsam. Jasmin May, die Frau von Fritz, erklärt Silkes Weinkeller auf der ProWein-Messe in Düsseldorf, wie die beiden den Betrieb führen:

„Mein Schwager Peter ist direkt nach dem Studium eingestiegen. Als mein Mann Fritz mit dem Studium fertig war, haben sie die Leitung komplett übernommen.“

Der Senior unterstützt noch, die Verantwortung liegt aber längst bei der nächsten Generation.

Riesling führt, Burgunder begleiten: Das Sortiment vom Weingut Karl May

Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnay prägen das Sortiment und zeigen, wie vielseitig die Burgunder im Weingut Karl May interpretiert werden. Gleichzeitig ist Riesling die wichtigste Rebsorte im Betrieb.

Besonders der Weißburgunder hat es Jasmin May angetan:

„Weißburgunder ist eine wunderschöne Rebsorte, die du eigentlich zu allem trinken kannst. Egal, ob zum Butterbrot oder im Frühling, wenn du einfach mal einen Stuhl in die Sonne schiebst und ein Gläschen trinkst. Burgunder haben generell wenig Säure und begleiten deshalb jedes Essen hervorragend.“

Der Weißburgunder wird bewusst früher gelesen. So bleibt er frischer und entwickelt weniger Alkohol. Im Keller wird er im Edelstahltank ausgebaut, damit die Frucht im Vordergrund bleibt und weder Holz noch Oxidation den Geschmack beeinflussen.

Im Keller zeigt das Weingut, wie wandelbar die Sorte ist. Werden die Trauben später geerntet, bekommen sie mehr Struktur und reifen auch mal im Holzfass, um mehr Substanz zu erhalten. Doch der Fokus liegt auf der reinen Frucht, wie beim klassischen Gutswein.

Typisch für den Weißburgunder Gutswein im Weingut Karl May ist, dass dieser:

  • Recht früh gelesen wird, um Frische zu sichern,
  • Im Edelstahltank ausgebaut wird,
  • Nicht zu schwer oder alkoholreich werden sollen,
  • Sowohl solo als auch zum Essen funktionieren.
Produktbild zu Karl May Grauburgunder Sonne & Kalk trocken 2025 von Weingut Karl May

Weingut Karl May

Land: Deutschland
Anbauregion: Rheinhessen
Geschmack: trocken
Produktbild zu Karl May Sauvignon Blanc Sonne & Kalk trocken 2025 von Weingut Karl May

Weingut Karl May

Land: Deutschland
Anbauregion: Rheinhessen
Geschmack: trocken
Produktbild zu Karl May Blutsbruder 2022 von Weingut Karl May

Weingut Karl May

Land: Deutschland
Anbauregion: Rheinhessen
Geschmack: trocken
Produktbild zu Karl May Weissburgunder & Chardonnay Sonne & Kalk trocken 2025 von Weingut Karl May

Weingut Karl May

Land: Deutschland
Anbauregion: Rheinhessen
Geschmack: trocken

„Blutsbruder“: Cuvées aus gemeinsamer Verantwortung

Mit der „Blutsbruder“-Serie präsentieren Fritz und Peter ihr Profil als Team. Die Cuvées sind in den drei Sorten Rot, Weiß und Rosé erhältlich. Jasmin May erklärt die Idee dahinter:

„Wir könnten die einzelnen Rebsorten einfach aufs Etikett schreiben oder der Cuvée einen neuen Namen geben. Da lag die Idee nahe: Die beiden Söhne von Karl May machen den Wein, also ist es der ‚Blutsbruder‘.“

Hier denken sie nicht von der einzelnen Rebsorte aus, sondern vom fertigen Geschmack. Der Name beschreibt auch, wie eng die beiden Brüder im Betrieb zusammenarbeiten.

Bio aus Überzeugung – und mit dem Wissen aus dem Studium

Im Jahr 2007 stellte das Weingut auf ökologischen Landbau um. Es war die erste große Neuerung, die Fritz und Peter May im Betrieb einführten. Dabei galt es vor allem, ihren Vater zu überzeugen. Jasmin May erzählt:

„Er hat uns keine Steine in den Weg gelegt, aber er hatte schon Angst, dass die Qualität leidet und wir plötzlich nur noch faule Trauben haben. Wir haben im Studium viel über ökologische Bewirtschaftung gelernt und konnten ihm die Angst nehmen. Heute sind wir alle glücklich mit der Entscheidung.“

Die Lage im Wonnegau hilft dem Team dabei. Da die Hügel gut mit dem Traktor befahrbar sind, können sie die mechanische Unkrautbekämpfung einfach bei jeder Fahrt erledigen. Somit kann das Team viele Arbeitsschritte miteinander verbinden.

Rasenmäher auf vier Beinen: Schafe übernehmen das Begrünungsmanagement

Um die typische Monokultur im Weinbau aufzubrechen, setzen die Mays auf Vielfalt. Früher diente die Einsaat oft nur dazu, die Fahrgassen für den Traktor zu befestigen. Heute steckt System dahinter:

„Wir säen bewusst Mischungen aus Tief- und Flachwurzlern, Früh- und Spätblühern sowie Leguminosen ein. Das schafft Lebensraum für Nützlinge und bringt Vielfalt in die Fläche.“

Diese ökologische Arbeitsweise gehört seit der Umstellung fest zum Weingut. Eine Neuerung der letzten zwei Jahre sind jedoch die Schafe. Die Familie schaffte sich zunächst fünf Tiere an, um den Umgang mit ihnen zu lernen. Im Winter, wenn im Weinberg keine Arbeiten anstehen und weder Laubwand noch Trauben wachsen, ziehen die Schafe durch die Zeilen.

Sobald der Austrieb beginnt und die Handarbeit oder Fahrten mit dem Traktor in den Weinbergen losgehen, zieht die kleine Herde zurück zur Betriebshalle. Dort weidet, mäht und düngt sie die umliegende Wiese. Diese Lösung ist nicht nur praktisch, sondern zeigt auch, wie stark sich die Arbeit im Weingut Karl May an natürlichen Kreisläufen orientiert.

Weingut Karl May: Jasmin May mit einer Flasche Weißwein an einem Weingut-Stand auf der Prowein 2026

Früher lesen, genauer entscheiden– so reagiert das Weingut Karl May auf den Klimawandel

Die klimatischen Veränderungen wirken sich im Weingut Karl May deutlich aus. Die Trauben reifen früher, sodass die Lese teilweise bereits Ende August beginnt.

Jasmin May erklärt die Strategie des Weinguts:

„Wir müssen heute angepasster arbeiten. Damit die Gutsweine frisch bleiben und einen Alkoholgehalt von etwa 12 bis 12,5 Volumenprozent erreichen, beginnen wir früher mit der Lese. Wer zu lange wartet, lässt die Reife übers Ziel hinausschießen. Dann entstehen sehr schwere Weine mit viel Alkohol.“

Oft entscheidet das Team vor Ort im Weinberg situativ, um den perfekten Moment abzupassen. Die bewusste Entscheidung für eine frühere Lese sichert genau die Leichtigkeit, die den Stil des Hauses bei den Gutsweinen ausmacht.

Wein als Teil eines gemeinsamen Moments

Die Diskussion rund um Alkohol verfolgt das Weingut aufmerksam, ordnet sie aber differenziert ein:

Wein war schon immer etwas, das man gemeinsam genießt. Panikmache ist hier der falsche Weg. Die wenigsten trinken eine Flasche Wein heimlich allein. Wein gehört zu einem guten Essen oder in eine gesellige Runde. Die Dosis macht das Gift. Wer aber mit Freunden eine Flasche aufmacht und dazu etwas Leckeres isst, sollte dabei kein schlechtes Gewissen haben, sondern den Moment bewusst als etwas Schönes wahrnehmen.“

Dieser Fokus auf den sozialen Kontext prägt auch die Bindung zum Weingut. Viele Familien kaufen bereits in der zweiten oder dritten Generation bei den Mays. Diese Treue entsteht oft aus zufälligen Begegnungen, beispielsweise wenn jemand im Restaurant ein Glas Karl May trinkt, den Wein googelt und so zum Fan wird.

Alkoholfrei – aus dem eigenen Betrieb heraus entwickelt

Beim Thema „alkoholfrei“ verzichten die Mays auf technische Verfahren wie die Entalkoholisierung. Stattdessen nutzt das Team das, was direkt vor der Haustür wächst. Die Basis bildet frischer Scheurebe-Traubensaft, den sie mit Lavendel und Rosmarin verfeinern.

„Wir wollten eine Alternative aus Zutaten entwickeln, die bei uns sowieso wachsen.“

Leicht perlend abgefüllt, entsteht so ein herber, frischer Aperitif. Die Kräuter nehmen dem Saft die schwere Süße und bringen eine würzige Note ins Glas. Das Getränk versteht sich nicht als Wein-Ersatz, sondern als eigenständige Erfrischung für Momente, in denen das Glas voll, der Kopf aber klar bleiben soll.

Fazit: Ein Betrieb, der aus Erfahrung arbeitet

Das Weingut Karl May entwickelt sich kontinuierlich weiter. Viele Entscheidungen entstehen direkt aus dem Alltag im Wonnegau und greifen logisch ineinander: vom Bio-Anbau über die Schafherde bis hin zur frühen Lese für mehr Frische.

Das Team orientiert sich bei seinen Weinen daran, wie und wann Menschen sie trinken: unkompliziert, ehrlich und mit Freude am gemeinsamen Genuss.

Wer die Familie und ihre Arbeit persönlich kennenlernen möchte, hat beim Hoffest zur Jahrgangspräsentation oder in der Vinothek, die sich im Oktober regelmäßig in eine kleine Straußwirtschaft verwandelt, Gelegenheit dazu.

Wer die Weine direkt zu Hause probieren möchte, findet das Sortiment vom Weingut Karl May – inklusive des beliebten „Blutsbruder rot“ – bei uns im Shop von Silkes Weinkeller.

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