Die Rebsorte Primitivo ist vor allem in den USA auch unter dem Namen Zinfandel bekannt. Ihren Ursprung hat die weltbekannte Traube aber in Osteuropa.

Primitivo – Vom Lokalmatador zum Weltklassewein

Die Welt des Weingenusses gilt als vielseitig, facetten- und traditionsreich. Ein entscheidender Bestandteil der internationalen Weinkultur sind Rebsorten, die sich auf Anbaugebiete in aller Welt verteilen. Hier gibt es große Berühmtheiten, die auch Laien ein Begriff sind. Merlot, Riesling oder Dornfelder müssen wenig Sorge hinsichtlich ihres Bekanntheitsgrades rund um den Globus haben. Daneben gibt es aber auch Sorten, die sich aus der vollkommenen Unbekanntheit heraus einen großen Namen machen konnten. Zu diesen „Tellerwäschern“ unter den Rebsorten gehört auch der Primitivo. Heute trägt diese Traube sogar zwei bekannte Namen und spielt nicht nur in Italien eine Rolle.

Die Geschichte des Primitivo

 Als George Gibbs sich im Jahre 1825 auf eine Reise von Wien nach Amerika machte, hatte er einige Reben im Gepäck. Auch der Primitivo, in den USA besser bekannt als Zinfandel, befand sich darunter. Wo genau die Rebe herkam, war zu diesem Zeitpunkt unklar. Umso klarer war jedoch die Tatsache, dass der Zinfandel echtes Starpotenzial hatte. Mit den Bedingungen in Kalifornien kam er gut zurecht und bringt bis heute geschmackvolle Rotweine hervor.

Weinberge bei Sonnenuntergang

Die Neugier trieb Weinenthusiasten schon damals um. Sie schätzten den Zinfandel, wollten jedoch mehr über seinen Ursprung wissen. Als sie herausfanden, dass ihr Zinfandel und die Primitivo-Rebe in Apulien identisch sind, vereinfachte das die Situation nicht. Nun existierte eine Rebsorte mit zwei Namen, jedoch ohne bekannte Heimat. Es sollte noch viele Jahre dauern, bis Forscher auf eine heiße Spur stießen. Ihr Weg zum Ursprung des Primitivo führte sie nach Kroatien, der Heimat der Rebsorte „Crljenak kaštelanski“. Und tatsächlich: 2001 brachte ebendiese Rebsorte Licht ins Dunkel, denn sie erwies sich als identisch zu Zinfandel und Primitivo.

So führt die Reise zum Ursprung des Primitivo in das Grenzgebiet zwischen Kroatien und Ungarn. Auch wenn die Rebsorte als unempfindlich gilt, erlebte sie dort nach der Reblausplage starke Rückschläge. Es muss Schicksal gewesen sein, dass sie sich schon zuvor in anderen Ländern der Welt etabliert hatte. In der italienischen Region Apulien konnte sich Primitivo in die Riege der besten und potenzialreichsten Rebsorten einreihen und bringt dort heute gleich zwei Weinvarietäten hervor.

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Produktbild zu La Prima Scelta Primitivo Rosato 2020 von

Land: Italien
Anbauregion: Apulien
Geschmack: trocken
Produktbild zu Zinfandel Puglia 2021 von

Land: Italien
Anbauregion: Apulien

Primitivo di Manduria – Glanzlicht Apuliens

Orecchiette alle cime di rapa und Primitivo Rotwein

Wer glaubt, der Name der Rebsorte ließe auf Einfachheit schließen, liegt falsch. So steht „Primitivo“ nicht für einen einfachen Charakter, sondern leitet sich aus dem lateinischen Begriff „primativus“ ab. Dieser bedeutet nichts anderes als „Sorte mit der frühesten Reife“. So zeigen die Primitivo-Reben in Apuliens Weinbergen noch vor allen anderen Rebstöcken junge Triebe und Winzer beschäftigen sich schon im August mit der Lese.

Aus der Primitivo-Rebe entstehen in Apulien „Primitivo di Manduria“ und „Primitivo di Manduria Dolce Naturale“. Ersterer wird aufgrund seiner längeren Geschichte in größerem Stil produziert – aber auch der „Dolce Naturale“ erfreut sich in den vergangenen Jahren einer stetig steigenden Beliebtheit.

Seit 1974 genießt der Primitivo di Manduria offiziell DOC-Status. Ihn finden Genießer sowohl in seiner gewöhnlichen als auch in Form eines Riserva. Grundsätzlich zeichnet sich der Primitivo di Manduria durch einen recht hohen Alkoholgehalt und eine würzige und beerenfruchtige Aromatik aus. Er enthält zu mindestens 85 Prozent Trauben der Primitivo Rebe, wird in den meisten Fällen jedoch sortenrein ausgebaut. Während der Primitivo di Manduria ab dem 31. März im Jahr nach der Ernte auf den Markt kommt, benötigt der Riserva eine zusätzliche Reifungszeit von wenigstens zwei Jahren – wobei er hiervon mindestens neun Monate im Holzfass ruhen muss.

Mit dem Primitivo di Manduria Dolce Naturale brachte Apulien 2011 seinen ersten DOCG-Wein auf den Markt. Er entsteht zu 100 Prozent aus Primitivo, wobei die Trauben vor der Vinifikation im Rahmen des „Appassimento“ leicht getrocknet werden. Der früheste Zeitpunkt für seine Markteinführung ist der erste Juni des Jahres nach der Lese. Viele Winzer bauen ihn dennoch für längere Zeit im Holzfass aus, um eine noch komplexere Aromatik zu erreichen. Der Primitivo di Manduria Dolce Naturale enthält mit rund fünfzig Gramm pro Liter mehr als doppelt so viel Restzucker wie sein DOC-Verwandter. Er offenbart eine tiefrote Färbung, Anklänge von Pflaume, Gewürz und dunkler Beere und eine delikat-samtige Süße.

Primitivo zum Essen

Der Primitivo, egal ob Dolce Naturale oder nicht, ist eine gewaltige Erscheinung mit üppigem und kraftvollem Charakter. Ein Gericht auszuwählen, das zu ihm passt, ist daher keine leichte Aufgabe – denn allzu einfache Speisen dominiert dieser apulische Rotwein im Handumdrehen.

Als Begleitung für den Primitivo di Manduria und den Primitivo di Manduria Riserva eignen sich typisch apulische Gerichte wie gegrilltes Lammfleisch, Pasta mit Hackfleischsauce oder auch „Orecchiette con le cime di rapa“ – „Ohrennudeln“ mit Stängelkohl.

Den süßen Primitivo di Manduria Dolce Naturale erlebt der Genießer am besten in Form eines Digestifs oder Aperitifs. Er überzeugt jedoch auch zu würzigem apulischen Käse und Desserts mit Mandeln, Feigen und gesüßtem Ricotta.

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