Rebzeile mit wilden Blumen

Gegen Monokultur: Permakultur als Zukunftslösung im Weinberg?

Es gibt viele Wege, Weinbau und Landwirtschaft zu betreiben. Von biologisch gepflegten Weinbergen über die besonderen biodynamischen Methoden bis hin zu konventionellem Weinbau reicht das Spektrum. Jede Art und Weise birgt dabei ihre ganz eigenen Vorteile, Nachteile, Chancen und Risiken.

Während Bio-Weine bereits in aller Munde ist, fristet die Permakultur noch ein Schattendasein. Dabei gilt sie unter Experten als zukunftsträchtige Idee, von der Winzer auch vor dem Hintergrund des Klimawandels profitieren könnten.

Was ist Permakultur?

Permakultur ist ein landwirtschaftliches Gestaltungssystem, das Bill Mollison und David Holmgren 1978 entwarfen. Einzelne Komponenten fügen sich in der Permakultur zu einem Muster, das Leben in all seinen Formen fördert und ermöglicht.

Bill Mollison sprach sich dafür aus, landwirtschaftliche Ökosysteme so zu gestalten, dass sie natürlich entstandenen Ökosystemen besonders ähnlich sind. Kreisläufe, die sich selbst erhalten und Pflanzen sowie Lebewesen und Organismen, die einander unterstützen, bilden hier zentrale Elemente.

David Holmgren aktualisierte die einst verfassten Grundlagen der Permakultur im Jahr 2002 noch einmal und passte sie an die zukünftige Situation an. Nicht zu viel Energie zu verbrauchen, sondern nachhaltig zu planen und landwirtschaftliche Systeme zu gestalten, die sich auch mit geringer Zugabe von Energie als produktiv erweisen, ist dabei das Ziel.

Insgesamt zwölf Gestaltungsprinzipien für Permakultur formulierte Holmgren dabei. Aus seiner Sicht ist es wichtig, das gesamte System zu beobachten, natürliche Ressourcen zu nutzen, sich selbst regulierende Prozesse zu schaffen und Vielfalt zu bewahren.

Marienkäfer auf roten Trauben

Jedes System ist einzigartig

Das Wichtigste bei der Permakultur ist, dass es nicht nur eine einzige richtige Weise gibt, sie umzusetzen. Verschiedene Szenarien erfordern zwangsläufig unterschiedliche Vorgehensweisen und bringen somit auch unterschiedliche Kulturen hervor.

Ob Bio-Weinbau, biodynamische Prinzipien oder gar keine bestimmte Art von Landwirtschaft der Permakultur zugrunde liegt, ist ebenfalls eine Frage, die jeder Winzer für sich selbst beantwortet. Statt eines festen und starren Rahmens für den Weinbau handelt es sich bei Permakultur vielmehr um eine Sichtweise auf die Landwirtschaft als solche.

Ein grundlegender Wert der Permakultur ist die bewusste Sorge für Land und Lebewesen. Kurzfristige Ziele sind dabei selten relevant, denn meist geht es darum, das System – also den Weinberg – zu einem langfristig produktiven, lebensfreundlichen Umfeld zu machen.

Die Monokultur, wie sie heute in vielen landwirtschaftlichen Bereichen zu finden ist, steht in deutlichem Gegensatz hierzu, denn ihr mangelt es häufig an Biodiversität. Auch ist eine Monokultur stets auf den Menschen und sein Eingreifen angewiesen, jedoch kaum dazu in der Lage, sich herausfordernden Umständen wie Trockenheit oder Schädlingsbefall zu widersetzen.

In der Permakultur hingegen steht nicht nur eine Art von Pflanze allein. Stattdessen schaffen Winzer ein Ökosystem, in dem Rebstöcke Seite an Seite mit weiteren Pflanzen wie Bäumen, Büschen und Gräsern gedeihen. Auch grasende Tiere, Insekten und Mikroorganismen spielen beim Aufbau vieler Systeme wichtige Rollen, da sie die Resilienz des Weinbergs fördern.

Böden, die Wasser gut aufnehmen und nicht zu schnell wieder verlieren, auch ohne intensives Düngen nährstoffreich bleiben und vom natürlichen Zerfall profitieren, sind ein zentrales Element der Permakultur.

Büffel steht in Weinberg

Permakultur im Weinberg umsetzen: Eine besondere Aufgabe

Die Permakultur im Weinberg umzusetzen, ist eine umfangreiche Aufgabe. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass es keinen vorgezeichneten Weg gibt, sind Winzer dazu angehalten, ihre ganz eigene Strategie zu entwerfen. Bäume und Büsche als Schattenspender und Bodenschutz beispielsweise können sehr sinnvolle Elemente in der Permakultur darstellen.

Wichtig ist es hier auch, die passenden Gattungen auszuwählen, sodass sich harmonische Symbiosen ergeben, in denen Rebstöcke und ihre benachbarten Gewächse einander fördern.

Es gibt folglich keinen festen Plan für einen Permakultur-Weinberg. Vielmehr geht es darum, einen in sich stimmigen Ort zu schaffen, in dem Wasser, Nährstoffe, Nützlinge und vieles mehr so vorhanden sind, dass der Mensch begleitend wirkt, jedoch nicht zum alles entscheidenden Akteur wird.

In Zeiten, in denen der Klimawandel zunehmend für trockene und heiße Sommer sorgt, könnte ein solcher Weinberg langfristig widerstandsfähiger sein. Abzuwarten bleibt trotz aller Vorzüge dennoch, ob sich die Permakultur als Lösung durchsetzt, oder ob sie auch in der Zukunft ein Nischendasein fristet.

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