Kuh steht zwischen zwei Rebreihen

Tiere im Weinberg: Was Hummel, Schaf und Kaninchen für Winzer bedeuten

Wenngleich der Wein heute in wohltemperierten Schränken lagert und stilvolle Gläser füllt bleibt er doch ein Naturprodukt. Über die Primäraromen, die ein Tropfen zeigt, entscheidet vor allem auch der Weinberg. Damit Reben kräftig gedeihen und gesunde Früchte hervorbringen können, ist ein Blick auf die Biodiversität unverzichtbar. Tiere im Weinberg spielen hier eine bedeutende Rolle. Nicht jeder Gast aber ist dem Winzer willkommen.

Der Weinberg als Weidefläche für Kuh und Schaf

Moderne Weinberge sind heute vergleichsweise selten Orte, an denen dauerhaft Weidetiere leben. Der technologische Fortschritt macht auch vor dem Weinbau nicht halt und längst gibt es Maschinen, die den Boden bearbeiten, Trauben lesen und die Arbeit beschleunigen. Das jedoch bedeutet nicht, dass das Weidetier seine Daseinsberechtigung verliert. Im Gegenteil. Immer mehr Winzer erkennen, dass vor allem Schafe und Rinder im Weinberg wichtige Aufgaben erledigen können.

So bearbeiten die Weidetiere mit ihren Füßen den Boden auf eine besonders natürliche Weise. Dies verhindert eine Verdichtung, wie sie etwa durch Traktorreifen geschieht. Hiervon profitieren auch Winzer, die nach alter Tradition mit Pferd und Pflug arbeiten. Pferde verbleiben zwar meist nicht im Weinberg, schonen den Boden im Vergleich zu Traktorreifen jedoch deutlich.

Hinzu kommt, dass die Weidetiere auf der Fläche Kot absetzen und diesen mit ihren Füßen in den Boden einarbeiten. Dies verbessert die Qualität des Weinbergbodens deutlich. Nicht nur optimiert es die Humusschicht. Auch bindet dies mehr Kohlenstoff im Boden, fördert Mykorrhiza, bietet Nahrung für allerlei nützliche Insekten und verbessert die Wasserhaltefähigkeit des Untergrunds.

Interessant ist dabei, dass die Kreisläufe im Weinberg sehr weit reichen. Fördern Weidetiere die Insektenpopulation ist dies zugleich auch für die Vögel oberhalb der Rebzeilen sowie für Zauneidechsen und andere Insektenfresser von großem Wert. Ein Bewohner schafft folglich günstigen Lebensraum für viele weitere.

Parallel hierzu verteilt ein Weidetier im Weinberg mit seinem Fell, über die Hufe und den Kot Samen und Sporen, aus welchen neue Pflanzen entstehen. Dies fördert eine vielfältige Flora, was wiederum vielen Nützlingen sehr gelegen kommt. Da sich die Weidetiere darüber hinaus von Beikräutern im Weinberg ernähren, halten sie deren Population in einem angemessenen Gleichgewicht. So genießt die Rebe einen geringeren Konkurrenzdruck. Durch Fraß an Pflanzen sterben außerdem Wurzeln ab, was Mikroorganismen und unter der Erdoberfläche lebende Nützlinge wie Regenwürmer mit Nahrung versorgt.

Übrigens: Weidehaltung ist nicht in jedem Weinberg möglich. Behandeln Winzer ihre Gewächse mit Kupfer ist dies für Schafe gefährlich. Kupfer nämlich ist hochgradig giftig für Schafe, weshalb viele Bio-Weingüter sie nicht halten können.

Insekten als unscheinbare, aber essenzielle Weinbergsbewohner

Die wohl unterschätztesten Bewohner des Weinbergs sind Insekten. Sie sind zwar nicht so gut sichtbar wie ein zwischen den Rebzeilen grasendes Schaf, dafür jedoch bilden sie das Fundament der Biodiversität. Erdhummeln und Wildbienen leisten auf ihren Flügen wichtige Bestäubungsarbeit. Auf diese Weise helfen sie nicht nur dem Winzer in Bezug auf seine Ernte, sondern fördern und erhalten auch nützliche Pflanzen.

Eine weitere besondere Rolle spielen Insekten im Weinberg, weil sie Schädlingen das Leben schwer machen. Marienkäfer, Heuschreckenarten, Wespen, Schlupfwespen und viele mehr fressen unerwünschte Gäste wie Blattläuse und Milben. In einem Weinberg mit einer reichen Insektenvielfalt bleiben die Sorgen hinsichtlich eines Schädlingsbefalls daher kleiner als in Weinbergen ohne große Nützlingspopulation.

Ein Marienkäfer sitzt auf einer roten Weintraube

Über dem Weinberg helfen Vögel der Biodiversität

Vögel sind für das biologische Gleichgewicht im Weinberg unverzichtbar. Von der Feldlerche über die Nachtigall bis hin zum Neuntöter ernähren sie sich von Insekten, entfernen abgestorbene Pflanzenteile, verteilen Samen und helfen erneut dabei, die Biodiversität zu fördern.

Ähnliches gilt auch für Raubvögel wie Bussarde und Turmfalken, die beispielsweise Wühlmäuse und andere Kleinnager fressen, bevor diese sich an reifen Trauben gütlich tun. Suchen Räuber gerne den Weinberg auf, hält dies folglich auch die Population jener Tiere in Schach, die dem Winzer zur Reifezeit Konkurrenz machen.

Ungebetene Gäste aus Wald und Feld

Nicht jedes Tier ist im Weinberg herzlich willkommen. In manchen Anbaugebieten, ganz besonders in der Nähe von Wäldern, klagen Winzer immer häufiger über Schäden durch Wild. Wildschweine, Rehe und auch Kaninchen gelangen aus Wald und Feld zwischen die Rebzeilen, wo sie sich an den Trauben gütlich tun, die Rinde der Rebstöcke abnagen und Jungreben sowie Triebe anknabbern. Bei Kaninchen passiert es zudem nicht selten, dass große Populationen den Boden spürbar unterhöhlen. Rebstöcke stehen dann nicht mehr stabil, Traktoren bleiben stecken und Winzer stolpern beim Kontrollgang in die neuen Löcher.

Gegen Wild im Weinberg unternehmen Winzer daher gerne etwas. Zäune halten manche Tiere ab, erweisen sich im Kampf gegen Wildschweine jedoch als wenig nützlich. Haben sich die Schweine erst einmal in den Kopf gesetzt, Trauben zu naschen, durchbrechen sie so manchen Zaun im Nu. Aus diesem Grund herrscht in besonders stark betroffenen Gebieten ein intensiver Austausch zwischen Jägern und Winzern.

Letztlich ist die Vielfalt der Tiere im Weinberg ungeahnt riesig und aufgrund der bestehenden Kreisläufe sowie Synergien schützenswert. Vom kleinen Insekt bis hin zum großen Rind gibt es zahlreiche Lebewesen, die die Biodiversität fördern und eine gesunde, für den Rebstock günstige Umgebung formen. Abzuwarten bleibt, ob der Trend hin zum Tier als Helfer auch in Zukunft sichtbar bleibt. Im Zuge des Klimawandels könnte sich manch schonende Alternative zu Traktor und Co. vermutlich aber vielerorts auszahlen.

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