Alvaro Palacios: Ein Ausnahmetalent im Priorat

 

Es gibt sie: Menschen, die irgendwann im Leben nicht nur die Liebe zum Wein, sondern auch großes Können bei dessen Kreation entdecken. Mit Alvaro Palacios lernen wir hier eine solche Persönlichkeit kennen: Gelernt bei den Besten setzt er heute um, was für ihn am wichtigsten ist. Scheinbar selbstverständlich erscheint seine leidenschaftliche Konsequenz, mit der er der spanischen Weinkultur Denkmäler setzt.

 

Großes Potenzial erkannt

 

Mit dem Wein und seinen Facetten beschäftigte sich Alvaro Palacios erstmals während eines Praktikums in keinem geringeren Gut als Château Petrus. Damals gerade 22 Jahre alt, lernte Palacios in Pomerol, wie erstklassiger Wein entsteht. Als Abkömmling der Winzerfamilie Remondo Palacios wusste er sein in die Wiege gelegtes Talent mit diesem neuen Wissen zu verknüpfen und begab sich Ende der Achtzigerjahre von Frankreich zurück nach Spanien.

Das Gut seiner Familie in La Rioja galt nicht als einziges Ziel, sondern auch eine damals gerade erst neu entdeckte und recht wenig bekannte Region: das Priorat. Somit reihte sich Alvaro Palacios in die Riege der „jungen Wilden“ ein, die in der sehr ländlichen Gegend etwas sahen, was anderen Augen bislang verborgen geblieben war.

 

Qualität, Leidenschaft und Traditionsbewusstsein

 

Von Beginn an akzeptierte der junge Winzer keine Kompromisse, wenn es um Qualität geht, zeigte sich offen gegenüber altbewährten Traditionen und sprach sich deutlich für die Liebe zu Terroir und autochthonen Rebsorten aus. Aus diesem Grund finden sich in den Hallen seines Weinguts auch heute noch Methoden, die anderenorts längst durch modernere Alternativen ersetzt wurden. Ein Beispiel: die Verwendung von Korbpressen statt pneumatischer Modelle, wodurch die Trennung von Trester und Most behutsamer gestaltet wird.

Alvaro Palacios führte sein Gut im Priorat überraschend schnell zu großer Bekanntheit. Scheinbar nebenbei verhalf er außerdem auch dem Gut in La Rioja zu mehr Ruhm – und ruht sich selbst heute nicht auf seinen Erfolgen aus. Im Bierzo ist er gemeinsam mit Ricardo Pérez mit dem Aufbau eines weiteren Guts beschäftigt und lässt auch hier Großes erwarten.

 

Die Weine von Alvaro Palacios

 

Im unscheinbar wirkenden Dörfchen Gratallops entstehen die Tropfen von Alvaro Palacios. Weine aus den Kellern des Guts sind bis weit über die Grenzen Spaniens hinaus berühmt und genießen teilweise Kultstatus. Zu verdanken ist dies sicherlich dem Qualitätsgedanken des Winzers und seiner leidenschaftlichen Fürsorge im Weinberg.

Bei Alvaro Palacios wird die behutsame Lese und Sortierung von Hand gepflegt. Auch bewahrt das Gut die althergebrachte Tradition des lagenreinen Weinausbaus und bewirtschaftet seine zwölf Hektar Rebfläche noch mit Pflug, Maultier und Pferd. Biodynamischer Weinbau, Naturhefen und ein rücksichtsvoller Umgang mit der Natur sollen hervorheben, was Weinberg und Rebsorte ohnehin zu geben haben.

So entstehen Weine mit intensiver Aromatik, großer Energie und fülligen Körpern. Die Eleganz fehlt ihnen dennoch nicht, was Alvaro Palacios unter anderem auf die Nutzung der Korbpressen zurückführt. Frucht, terroirspezifische Aromen und eine herausragende Balance bestimmen die roten Tropfen, die aus Rebsorten wie Garnacha, Cariñena und Samsó, oft vereint mit kleinen Anteilen heller Reben, entstehen.

Angesichts des Ruhms, den Alvaro Palacios heute genießt, könnte der Betrachter vermuten, dass sich der Winzer selbst besondere Bedeutung beimisst. Palacios aber, der 2015 sogar zum „Decanter Man of the Year“ gewählt wurde, bleibt seiner demütigen Haltung treu: Mehr Gewicht als der Winzer hat in seiner Philosophie der Weingarten mit Boden und Rebstock.

 

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