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Wein in der Literatur: Buchstäblich genussvoll

Für viele Menschen lässt sich der Genuss eines leckeren Weins mit einem guten Buch vervollkommnen. Literatur und Wein sind jedoch auch abseits gemütlicher Abende vor dem Kamin ein gutes Team und fanden schon sehr zeitig zueinander. Ein kurzer Ausflug in die gemeinsame Geschichte beweist das.
 

Wein: Schon früh ein literarisches Thema

Schon frueh ein literarisches Thema | Silkes Weinblatt

Wer sich mit Wein und Literatur beschäftigt, findet sich schon nach kurzer Recherche in der Epoche vor Christus wieder. Hier befassten sich die Griechen und auch die Römer auf vielerlei Art mit dem Wein und brachten dabei sowohl fachliche als auch unterhaltsame Werke hervor. Besondere Rollen spielte Wein in der antiken Literatur beispielsweise bei Schriftstücken von Homer. Aber auch der Dichter Anakreon zögerte nicht, seine ganz eigene Kunst zu präsentieren und gilt als Urheber der sogenannten Anakreontik. Die Anakreontik wiederum befasste sich im sechsten Jahrhundert vor Christus mit unterhaltsamen Sprüchen rund um den Weingenuss und seinen geselligen Komponenten.

Auch in der Bibel, immerhin eines der bekanntesten literarischen Werke, geht es mehr als nur einmal um den Weingenuss. Noch heute ist der Wein in der christlichen Religion ein zentraler Bestandteil und wird beim Abendmahl ausgeschenkt. In der Bibel wurde Wein oftmals mit Reichtum und Wohlstand in Verbindung gebracht. Eine Hochzeit beispielsweise soll Jesus Christus besonders gemacht haben, indem er Wasser in Wein verwandelte.
 

Weltberühmt und hochgelobt

 
Nach einer schnellen Reise in das 18. Jahrhundert begegnet Literaturinteressierten die Anakreontik wieder. In der Epoche des Rokoko übersetzte Johann Christoph Gottsched die alten griechischen Gedichte und Sprüche. Er transferierte sie nicht nur in die deutsche Sprache, sondern passte sie auch dem hier üblichen Versmaß an. Mit Christian Nicolaus Naumann gab es außerdem einen weiteren Schriftsteller, der im 18. Jahrhundert Werke in Anlehnung an die Anakreontik veröffentlichte. Heute ist diese Kunstform jedoch kaum mehr zu finden.

Wein in der Literatur Weltberuehmt und hochgelobt | Silkes Weinblatt

Der Wein jedoch bleibt bedeutsam. Auch weil berühmte Schriftsteller und Dichter ihm nicht selten ganz besonders zugetan waren. Als großer Weingenießer galt der Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Er soll schon als Baby durch Wein „zum Leben erweckt“ worden sein und ließ sich in späteren Jahren durch den Konsum kreativ beflügeln. Leser und Wein treffen in zahlreichen seiner Gedichte aufeinander.

Nicht vergessen werden sollte in puncto Literatur des 19. Jahrhunderts und Wein der Literat Carl Zuckmayer. Ihn nämlich hat der Wein überhaupt erst berühmt gemacht. Zuckmayer schrieb das literarische Werk und Lustspiel „Der fröhliche Weinberg“, welches zunächst niemand aufführen wollte. 1925 dann entschied sich das Theater am Schiffbauerdamm in Berlin doch für eine Aufführung und legte den Grundstein für eines der bekanntesten Stücke rund um den Wein.

Auch in der Märchenwelt wurde nicht am Wein gespart. Die Brüder Grimm holten das zum damaligen Zeitpunkt als Heilmittel bekannte Getränk nur allzu bereitwillig in ihre Geschichten. So trug Rotkäppchen in seinem Korb eine Flasche Wein zur Großmutter,  die „Drei Brüder“ erhielten ebenfalls eine ganze Flasche pro Kopf mit auf den Weg und in „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ fließt am Schluss des Märchens endlich wieder Wein aus einem Brunnen.
 

Fazit: Beflügler und Symbol

 
Sicherlich lassen sich noch viele weitere Beispiele für die Verbindung zwischen Wein und Literatur finden. Letztlich jedoch stellt sich eine Sache bereits jetzt heraus: Der Wein war für große Literaten nicht selten eine Quelle der Inspiration. Im vom Wein leicht beflügelten Zustand wurde vermutlich mehr aus nur ein bekanntes Werk verfasst. Darüber hinaus stellte Wein in vielen Werken ein positives Symbol dar und stand unter anderem für Freundschaft, Geselligkeit, Lust, Genuss sowie Reichtum.

  1. Der Wein der Genesung

    Der Genesung Tropfen, aus dem Glase, blinkt ins Auge mir
    Wein der Hoffnung, groß das Versprechen klingt in Dir
    Deine Glut reift vom Frühjahr zum Herbst, bis letzte Sonne sinkt

    Der Erden Wonne und Zeit durchs ganze Jahr
    In die Frucht sie ziehen so ganz und gar
    Die Bouteille, meine Hand Dich sucht
    Zu gießen den runden Schluck in schweren Stunden
    Lass Zeit und Geschmack im Trunk mir munden

    Inspiration, Du gibst mir
    Auch den schwarzen Tag zu vergessen
    Wirst Freundin, wirst Freund
    Deren Wahrheit, Vertrauen ich kaum besessen
    Bist Tropfen, bist Schluck, Glas, Flasche, gar Fass
    Spendest mir Leben jetzt, füllst nach, was versäumt
    Was mir genommen der trüben Tage Aderlass

    Du Wein in Dir des Lebens Heiligkeit
    Hast Wucht, wenn in die Adern Du hinunterfährst
    Bringst Kraft, den ganzen Menschen komplett Du ernährst
    Löscht den Durst, bist auch Trunk zur Trunkenheit

    Auf Deiner Oberfläche helles Schimmern ich fand
    Bricht sich das Licht des Tages Himmel
    Nachts der Kerze brennender Docht auf Deinem Gewand

    Wo kommst Du her, Wein?
    Schwer von den lehmig steinigen Feldern rot pyrenäennah fein
    Leicht von den steilen Hängen weiß an Flüssen wie Rhein und Main
    Jahrlanger Blick auf in die Ferne ziehende Schiffe zu den Häfen und Meeren

    Warst Rebentrieb, Spross, Blüte, ein Traubenpaket voll von Beeren
    Über die Kelter ins Fass, dann aus der Flasche ins Glas, in die Kehle
    Sickerst tief hinunter, hinein in meine innerste Seele

    Bist Gruß und Band mir zur Erde, zur Welt, zum Leben
    Rebenquell, zum Wohl der Herzen, der Gemeinschaft, lass das Glas mich erheben

    Zu Schluckes Spruch, das ist Ritual, das sei gestattet zur Kommunion:
    Schwester lebe lang! Bleib gesund Bruder! Und mir gib die Inspiration!
    So lautet der Toast, der Wunsch, der weinselige Ton
    Wir stoßen an, unter den Lebenden bin ich verblieben getreu
    Ist mir das Leben nochmals gegeben, fast ein neues, so wertvoll, so fast wie neu.

    ©Werner Nennich, Frühjahr 2020

    1. Hallo lieber Werner Nennich,

      ihr Gedicht hat uns beim Lesen große Freude bereitet. Herzlichen Dank für Ihre Mühe und für das Teilen Ihres literarischen Werkes!

      Viele Grüße aus der Weinblatt-Redaktion!

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