Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge, Frosthärte und Ertragsfähigkeit aber auch Aromatik und das Farbenspiel sind Gründe, neue Trauben entstehen zu lassen.

Rebenkreuzung: Vermählen, was zusammenpasst

Weingenuss ohne Rebsorten ist undenkbar. Erst die Vielfalt der Rebstöcke und ihrer ganz individuellen Früchte lässt entstehen, was vor Eintönigkeit schützt. Nicht alle Rebsorten jedoch waren schon immer da. Manche von ihnen brachte die Natur hervor, während wiederum andere von Menschenhand erzeugt wurden.

Warum werden Rebsorten gekreuzt?

 

Rote, grüne und schwarze Trauben

Der Rebenkreuzung als eigene Wissenschaft gelingt es, Vorzüge zu erkennen und zu bündeln. Dabei können die Gründe für die Vermählung zweier Sorten sehr vielfältig sein. Schon die sogenannten Hybridreben, die entstanden, als europäische Winzer in amerikanischen Rebstöcken die Lösung im Kampf gegen die Reblaus fanden, können im Grunde als das Ergebnis einer Kreuzung angesehen werden.

Es sind also durchaus Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge, Frosthärte und Ertragsfähigkeit, die so manchen Experten in den vergangenen Jahrhunderten zur Kreuzung zweier Rebsorten trieben. Doch damit nicht genug – denn in der Welt des Weins geht es vor allem um den Genuss. So spielen die Aromatik und das Farbenspiel einer Rebsorte bedeutende Rollen, wenn es zur Kreuzung kommt.

Dabei gelingt es fähigen Wissenschaftlern, nur solche Sorten miteinander zu vermählen, die voneinander profitieren können. Fehlte es einer bestimmten Sorte bislang an Säure, kann die Einkreuzung einer säurereicheren Partnerin die Geburt einer neuen und ausgewogenen Rebsorte bedeuten. Gleiches gilt für die Vereinigung von farbintensiven mit eher farbschwachen, gerbstoffarmen mit gerbstoffreichen und hocharomatischen mit dezenten Sorten.

Nach erfolgreicher Kreuzung kommt es zum Ausgleich von Eigenschaften, denn in der neuen Sorte finden sich die genetischen Merkmale von Vater und Mutter jeweils zu gleichen Teilen. Und so wie sich auch manch altes – und dennoch glückliches – Ehepaar im Laufe der Jahre zu ergänzen weiß, stehen die Ursprungssorten in einer Kreuzungsrebe künftig in einem harmonischen Wechselspiel.
 

Natürliche oder künstliche Rebenkreuzung: Ein Unterschied

Ganz gleich, wie eine neue Rebsorte auch entsteht: Die Ausgangssituation ist stets die gleiche. Es werden zwei (und gelegentlich auch mehr) unterschiedliche Sorten miteinander vereint. Zwischen der natürlichen Kreuzung und der Kreuzung von Menschenhand zu unterscheiden ist dennoch sinnvoll. Hier nämlich können Genießer viel über die Geschichte des Weins und die Vorlieben des Menschen in unterschiedlichen Epochen erfahren.

Bei der Rebenkreuzung von Menschenhand nutzt der Experte zunächst eine Mutterpflanze. Ihre Sorte soll in der neuen Rebe die Hälfte des genetischen Materials ausmachen. Um dieses Portfolio zu komplettieren, wird eine Vaterrebe hinzugezogen, die jedoch nur ihre Pollen bereitstellen muss. Es kommt anschließend zur Bestäubung der Mutterpflanze mit den Pollen der Vaterpflanze. Reifen die Weinbeeren nun an der Mutterpflanze heran, sind es ihre Kerne, die den Grundstein für die neue Rebsorte liefern. Erst wenn aus ihnen wieder ein Rebstock heranwächst und erste Früchte trägt, kann über Wohl oder Wehe des Kreuzungsvorhabens entschieden werden.

Vollzieht sich die Neuzüchtung durch Menschenhand im Labor, hat auch Mutter Natur gelegentlich Freude an der Kreation bislang unbekannter Rebsorten. Das Prinzip aber gleicht dem bereits genannten, nur dass die Bestäubung der Mutterpflanze ganz ohne Zutun des Menschen erfolgt.
 

Berühmte Rebsorten, die aus Kreuzungen entstanden

Kreuzungsreben Rotwein und Weißwein

Es kann interessant sein, bei der Betrachtung von Kreuzungsreben zu differenzieren, ob es sich um eine vom Menschen geschaffene Sorte handelt, oder ob die Natur verantwortlich für die genetische Verschmelzung war.

So gehören zu den künstlich herbeigeführten Kreuzungen Rebsorten wie:

Müller-Thurgau

Diese Rebsorte wurde schon 1882 gezüchtet. Hermann Müller-Thurgau ist ihr Vater, konnte die genauen Elternreben jedoch nicht benennen. Heute ist dank ausgiebiger DNA-Analysen klar: Die Müller-Thurgau Rebe entstand im Rahmen der Kreuzung von Riesling und Madeleine Royal.

Dornfelder

Die dunkle Färbung war das Ziel bei der Kreuzung des Dornfelders, der zunächst vor allem als Decksorte zum Einsatz kam. Verantwortlich für die Kreuzung der beiden Sorten Helfensteiner und Heroldrebe war August Herold, der sie im Jahr 1955 erfolgreich durchführte. Heute ist der Dornfelder mehr als nur ein Farbgeber und spielt in Deutschland nach wie vor eine tragende Rolle.

Pinotage

Eine Rebe, die dem südafrikanischen Terroir bestmöglich entsprechen sollte, entstand mit der Pinotage. Abraham Isak Perold kreuzte die Rebsorten Pinot Noir und Cinsault im Jahr 1924 miteinander. Vermarktet wurde die Rebsorte jedoch erst ab 1959 unter ihrem heutigen Namen, denn zuvor trug sie die sperrige Bezeichnung „ Perold’s Hermitage x Pinot“.

Morio Muskat

Schon 1928 entstand aus den beiden Sorten Silvaner und Gelber Muskateller das, was heute hinlänglich bekannt als Morio Muskat ist. Auch hier lag ihr Züchter, Peter Morio hinsichtlich der Angabe von Kreuzungspartnern zunächst falsch und nannte Silvaner und Weißburgunder als Eltern.

Regent

Eine vergleichsweise junge Neuzüchtung ist die Rebsorte Regent. Gerhardt Alleweldt erschuf diese Rotweinrebe im Rahmen der Vermählung von Diana und Chambourcin. Interessant dabei: Auch bei Diana handelte es sich bereits um eine Kreuzungsrebe, deren Eltern Silvaner und Müller-Thurgau (wieder eine Kreuzungsrebe) waren. Hier wird deutlich: Auch die Ergebnisse von Kreuzungen sind potenzialreiche Eltern neuer Rebsorten.

Rebsorten, die die Natur alleine erschaffen hat, sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Auch hier finden sich bekannte Namen wie:

• Auxerrois (Kreuzung aus Heunisch und Pinot)
• Lemberger (Kreuzung aus Blauer Zimmettraube und Weißem Heunisch)
• und Cabernet Sauvignon (Kreuzung aus Cabernet Franc und Sauvignon Blanc).

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