Die 13 Weinbaugebiete in Deutschland: Rheingau


 
Mit Flörsheim im Osten und Lorchhausen im Westen wird der Rheingau von zwei bedeutenden Weinorten begrenzt. Das Weinbaugebiet hält einige Besonderheiten für Genießer und Gäste bereit, denn hier sorgen Klima, Boden und der Rhein für optimale Bedingungen. So entstand eine ganz eigene Kultur.

 

Ein Ausflug in die Geschichte des Rheingaus

 

Die Anfänge des Weinbaus am Rhein liegen wenige hundert Jahre vor den ersten dokumentierten Rebpflanzungen im heutigen Rheingau. Das liegt daran, dass sich die Römer in früher Zeit vor allem linksrheinisch aufhielten. Als Karl der Große jedoch von Ingelheim aus über den breiten Rhein blickte, sah er, wie der Johannisberg zu den ersten schneefreien Stellen der Region zählte und ließ dort Reben anbauen. Der Grundstein für den Weinbau im Rheingau wurde folglich zwischen dem achten und neunten Jahrhundert gelegt.

Ein Glücksfall für die Region in diesem Zusammenhang waren die Mönche des Zisterzienserklosters Eberbach und des Benediktinerklosters Johannisberg, die den Weinbau in den kommenden Jahrhunderten vorantrieben. Dank ihnen entwickelte sich der Rheingau zu einer wirtschaftlich bedeutsamen Region, deren Einfluss bis zum Grafen von Katzenelnbogen reichte.

Zur damaligen Zeit wurde im Rheingau viel roter Wein erzeugt. Dies jedoch änderte sich zügig, nachdem der Graf bei Rüsselsheim Versuche mit Riesling unternahm und feststellte, dass sich diese Rebsorte im Anbaugebiet vortrefflich entwickelte. Heute ist der Riesling die wichtigste Rebsorte des Rheingaus und wird auf rund 80 Prozent der Rebflächen kultiviert. Im Gebiet sind mehr als 280 Winzer tätig, die Genießer aus Deutschland und aller Welt mit den beliebten Rheingau-Tropfen versorgen.

 

Besonders: Die Entdeckung der Edelfäule

 

Ein ganz spezieller Meilenstein in der Geschichte des deutschen Weins wurde 1775 im Rheingau erreicht. Damals durfte auf Schloss Johannisberg erst nach offizieller Erlaubnis des Fürstbischofs von Fulda gelesen werden.

Als sich in diesem Jahr der Bote mit der entsprechenden Erlaubnis um rund zwei Wochen verspätete, war das Lesegut bereits faulig. Statt es zu entsorgen, nutzten die Mönche es dennoch für die Weinerzeugung und stellten fest, dass die Spätlese für hervorragende Weine sorgen kann. So begann der Siegeszug der edelfaulen Tropfen, die heute als Auslesen bekannt sind.

 

Rheingau: Klima und Rebsorten

 

Die Vorzüge des Rheingaus erschließen sich auch dem Laien schnell. Das bewaldete Rheingaugebirge schützt die Weinberge vor Kälte und widriger Witterung aus nördlicher Richtung. So bleiben während der Saison auch in der Nacht angenehme Temperaturen erhalten. Zusätzlich ist der Rheingau vorrangig gen Süden ausgerichtet, was für sonnenverwöhnte Weinberge sorgt.

Die Beschaffenheit des Bodens ist eine weitere Besonderheit, die den Wein von hier so abwechslungsreich macht. Auf vulkanischen Böden entstehen vollmundige Tropfen mit viel Energie, auf Schiefer wiederum frische sowie rassige Weine. Muschelkalk liefert beste Voraussetzungen für kraftvolle Weine mit griffiger Aromatik. Rund und mit einem facettenreichen Bouquet ausgestattet sind Tropfen, die auf Löss und Lehm gewachsen sind. Der Rheingau lässt sich folglich mit mehreren unterschiedlichen Weinen sehr anschaulich entdecken.

Was die Rebsorten der Region betrifft, ist der Riesling der unangefochtene Spitzenreiter. Er gedeiht auf einem Großteil der Rebflächen und beansprucht zusätzlich die meisten offiziell klassifizierten Spitzenlagen für sich. Die einzige Ausnahme bildet der Weinort Assmannshausen, der für seinen Spätburgunder bekannt ist und sogar das größte zusammenhängende Spätburgunder-Gebiet der Bundesrepublik stellt.

Abgesehen von Riesling und Spätburgunder wachsen im Rheingau auch kleinere Bestände weiterer heller und dunkler Rebsorten. Sie nehmen gemeinsam etwa neun bis zehn Prozent der gesamten Rebfläche ein und sollten bei einer Reise durch die Region keinesfalls im Schatten der beiden „Großen“ verblassen.
 

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