Das Zuhause des Weins: So werden Weinflaschen gemacht


 
Sie sind ganz alltägliche Gegenstände, erfüllen aber einen sehr wichtigen Zweck: Weinflaschen schützen ihren hochwertigen Inhalt vor zahlreichen Umwelteinflüssen. Sonnenlicht und Sauerstoff nämlich gehören zu den größten Feinden haltbaren Genusses. Wie Weinflaschen entstehen, ist dabei nicht allen Genießern bekannt.
 

Flaschenherstellung früher: Ein kompliziertes Unterfangen

 
In der Fachsprache zählen Weinflaschen zu den sogenannten Hohlglaskörpern. Dies beschreibt gut, worum es sich handelt. Ein hohles Behältnis aus Glas, in das Flüssigkeiten eingefüllt werden können. Schon zu Zeiten der alten Ägypter entstanden die ersten Hohlglaskörper. Sie wurden aus geschmolzenen Rohstoffen erzeugt, die mit einem Sandkern in ihrer Mitte abkühlen durften. Diese Methode jedoch sollte nicht die einzige bleiben: Die Erfindung der sogenannten Glasmacherpfeife revolutionierte die Herstellung von Glashohlkörpern bereits um 200 vor Christus. Mit Hilfe dieser Pfeife, Atemluft und etwas Geschick ließen sich so Flaschen und andere Hohlkörper erschaffen. Auch heute noch ist das Mundblasen von Glas eine beliebte Kunstform – findet jedoch in der industriellen Herstellung keine Anwendung mehr.
 

Heute: Glas-Blasen oder Glas-Pressen?

 
Weinflaschen mit dem Mund zu blasen, ist deutlich zu aufwändig für eine Massenproduktion. Wäre dies die einzige Möglichkeit, müssten Genießer mit deutlich höheren Preisen pro Flasche rechnen. Glücklicherweise jedoch schafft die Industrie an dieser Stelle gleich zweifach Abhilfe. So können Weinflaschen heute im Rahmen maschineller Produktion sowohl geblasen als auch gepresst werden. Grundlage für beide Verfahren ist das sogenannte „Gemenge“, das aus Rohstoffen und Altglasscherben besteht. Diese Ausgangsstoffe werden bei hohen Temperaturen geschmolzen und anschließend weiterverarbeitet.

Die erste Variante der Flaschenherstellung ist das maschinelle Blasverfahren. Urheber dieser Option war Michael Owens Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, wobei weitere Verfeinerungen unter anderem durch Karl E. Pfeiffer erfolgten. Letztlich entstand auf diesem Wege die sogenannte IS-Maschine. Damit können zahlreiche Flaschen binnen kürzester Zeit hergestellt werden. Moderne Modelle schaffen es, in nur einer Stunde mehr als 900 Flaschen zu erzeugen. Hier wird geschmolzenes Glas mit Hilfe von Luft und einer vorgegebenen Form in Weinflaschen verwandelt.

Zusätzlich zum Blasverfahren gibt es noch das Pressverfahren. Hier wird das flüssige Glas in eine oftmals dreiteilige Form gepresst. Ein Hohlraum dient dazu, der flüssigen Ausgangsmasse beim Pressen ihren Weg vorzugeben. Nachdem die Masse in die Form gepresst wurde, muss sie langsam abkühlen, um die Bildung von Rissen und Schwachstellen zu vermeiden. Sobald das Glas erstarrt ist, kann der sogenannte Stempel herausgezogen werden. Bei der Weinflaschenherstellung kommt das Pressverfahren weitaus seltener vor, da es sich vor allem für dünnwandigere Hohlgläser anbietet. Wer eine Weinflasche in seinen Händen hält, wird daher in aller Regel das Ergebnis eines maschinellen Blasvorgangs bewundern können.
 

Wie kommt die Farbe in das Glas?

 
Nicht alle Weinflaschen bestehen aus hellem und klarem Glas. Wie bereits erwähnt, spielt auch der Schutz des Inhaltes vor Licht eine wichtige Rolle. Dieser Schutz jedoch lässt sich nur dann aufrechterhalten, wenn das Glas, aus dem die Weinflasche besteht, eingefärbt wurde. Während helle und klare Glasflaschen aus Rohstoffen wie

• Quarzsand,
• Natriumcarbonat,
• Pottasche,
• Feldspat,
• Kalk
• und Dolomit

bestehen, werden für die Erzeugung farbigen Glases weitere Stoffe in das Gemenge gegeben. So entstehen grüne Weinflaschen unter Zuhilfenahme von Chrom(III)-oxid. Für die Erzeugung brauner Flaschen verwenden Hersteller Eisen(II)-disulfid. Die jeweilige Menge für ein Gemisch wird im Rahmen aufwändiger Berechnungen ermittelt. So entstehen gleichmäßig gefärbte Weinflaschen, die ihren Inhalt bestmöglich schützen.

Ein Rohstoff, der bei der Erzeugung von Weinflaschen ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, sind Altglasscherben. Jede Flasche besteht heute zu sechzig bis neunzig Prozent aus Scherben alter Flaschen, weswegen die Herstellung ein durchaus nachhaltiger Prozess ist. Die Altglasscherben (in der richtigen Farbe) werden gemeinsam mit den anderen Rohstoffen verschmolzen und im Anschluss weiterverarbeitet. Wer seine Weinflasche dann später zum Altglascontainer bringt, sorgt dafür, dass der Industrie ihre wichtigen Ausgangsmaterialien nicht ausgehen.

 

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