Weingeschichte & Mythologie: Von Ägypten bis nach Rom

 

Die Geschichte des Weins reicht bis weit in die Vergangenheit zurück. Gut 8.000 Jahre ist es möglicherweise her, dass der Mensch mit der Kultivierung von Reben und der Weiterverarbeitung gelesener Trauben begonnen hat. Immer wieder wurde der Wein dabei auch Gegenstand mythologischer Denkweisen und Traditionen.

 

Wein im alten Ägypten: Über den Tod hinaus bedeutend

 

Ägypten gehört zu jenen Ländern, in denen der Wein bereits früh eine Rolle spielte. Da Rebstöcke jedoch kein Bestandteil der natürlichen Pflanzenwelt Ägyptens waren, mussten sie vorab eingeführt werden. Vermutlich stammten die ersten ägyptischen Reben aus Kanaan.

In Ägypten selbst maß man dem Wein unterschiedliche Bedeutung zu. Medizinisch diente er als Lösungsmittel für weitere Stoffe und wurde äußerlich sowie innerlich angewandt. Als Bestandteil großer Feste wie dem Fest der Trunkenheit oder auch dem Neujahrsfest galt der Wein im alten Ägypten als besonders bedeutsam. Hier tranken die Menschen der Überlieferung nach an nur einem Tag mehr Wein als während der restlichen Zeit des Jahres.

Mythologisch wurde der Wein in Verbindung mit den ägyptischen Gottheiten Schesemu und Osiris gebracht. Daher finden sich auch in Pyramiden viele Hinweise auf das Getränk und seine Verwendung während des Totenfests. Oft wurde Wein zudem als Beigabe in Gräber gegeben. Der Vergleich roten Weins mit Blut war außerdem ein allgegenwärtiges Thema.

 

Das antike Griechenland: Von Göttern und Opfern

 

Nach Griechenland kam der Wein etwas später als nach Ägypten. Auch hier war es jedoch die Mythologie rund um Gottheiten und Bräuche, die den frühen Tropfen große Bedeutung zukommen ließ. Dabei begannen die alten Griechen bereits sehr darauf zu achten, dass Wein durchaus ein qualitatives Getränk ist und sich durch verschiedene Faktoren beeinflussen lässt. Philosophen wie Theophrastos beschäftigten sich schon früh mit den Zusammenhängen zwischen Rebsorten, klimatischen Bedingungen und der Bodenbeschaffenheit.

Trotz der allmählichen Verlagerung in Richtung des Genusses blieb der Wein in Griechenland sowohl religiös als auch sozial wichtig. Männer trafen sich regelmäßig zu Symposien, um gemeinsam zu trinken und körperliche sowie seelische Beschwerden wurden unter anderem von Hippokrates mit Wein behandelt. Der Wein als Genussgetränk wurde ausschließlich verdünnt serviert, denn unverdünnter Wein galt als barbarisch. Lediglich das einleitende Libationsopfer bei Symposien bestand aus unverdünntem Wein.

Wein als Teil von Trankopfern spielte im antiken Griechenland eine übergeordnete Rolle. Zu zahllosen Gelegenheiten wie Reisen, Mahlzeiten, Symposien oder auch Gebeten wurde den Göttern Wein geopfert. Stark beeinflusst wurde die festliche Kultur vom Glauben an den Gott Dionysos. Die Lenäen im Dezember und auch die Anthesterien im Februar galten als besonders bedeutende Festlichkeiten.

 

Die Römerzeit: Wein für alle!

 

Etwa zwischen dem ersten Jahrhundert vor und dem zweiten Jahrhundert nach Christus war der Wein ein Kernbestandteil der römischen Kultur. Wirklich genussvoll soll dieser jedoch nicht immer gewesen sein, denn die Möglichkeit einer unterbrochenen Gärung war noch nicht erfunden. So schmeckten die römischen Weine meist nach Essig, was angesichts der Verdünnung mit Wasser oder Meerwasser jedoch nicht ganz so stark auffiel, wie man vielleicht denken mag.

Spannend war der Umgang der Römer mit aromatischen Zusätzen im Wein. Von Gips über Harz bis hin zu Kalk, Asche, Terpentin und Zimt waren zahllose Zutaten zu finden, die den Wein geschmacklich und auch olfaktorisch optimieren sollten. Vor der Verdünnung war römischer Wein zudem recht dickflüssig.

Im alten Rom war die Weinkultur stark religiös beeinflusst. Wein war praktisch ein Getränk für alle, weswegen er häufig kostenfrei ausgeschenkt wurde. Auch Sklaven wurden hiervon nicht ausgenommen. Rund um Ernte, Pflege und Verarbeitung gab es häufig unterschiedliche Pflichten und Vorgaben, bei denen Priester involviert sein mussten. Sie legten beispielsweise fest, wann das Lesegut geerntet werden durfte.

Gottheiten im alten Rom, die eng mit der Weinkultur verknüpft waren, sind die Göttin für weibliche Fruchtbarkeit „Bona Dea“ und vor allem „Bacchus“. „Bacchus“ glich in seiner Bedeutung dem griechischen Gott Dionysos und stand für Fruchtbarkeit und Wein. Auch hier war es üblich, den Gottheiten Trankopfer zu erbringen. Libationsopfer, bei denen Wein beispielsweise in Feuer gegossen wurde, kannten sowohl Römer als auch Griechen zu damaligen Zeiten.

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