Womit ein Winzer im Frühling, Herbst und Sommer beschäftigt ist – davon haben die meisten eine ganz gute Vorstellung. Was aber geschieht in den kalten Monaten?

Trotz klirrender Kälte gut beschäftigt: Was machen Winzer im Winter?

Keine Frage: Während der wärmeren Jahreszeiten sind Winzer stets in Aktion. Viele Genießer fragen sich jedoch, was in einem Weingut passiert, wenn Frühnebel und Frost das Klima bestimmen. Fakt ist, dass die Arbeit im Weingut auch während der Wintermonate nicht ruht. Hier gibt es einiges zu tun – denn die Vorbereitung auf die kommende Saison beginnt häufig schon dann, wenn sich Weinkenner gerade mit vorweihnachtlichen Gefühlen beschäftigen.

Arbeiten im Weinkeller während des Winters

Aufgeräumter Weinkeller

 
Die Weine, die noch wenige Wochen zuvor aus frischem Lesegut hergestellt wurden, reifen im Winter in den Kellerräumen des Weinguts. Sie jedoch kann der Winzer nicht einfach sich selbst überlassen, sondern muss auch zwischen Dezember und Februar immer wieder nachsehen, wie sich Aromatik und Struktur entwickeln. Daher beschäftigen sich Winzer im Winter auch mit Verkostungen der Weine und nehmen hierbei nicht selten die noch unausgewogenen und unfertigen Aromenprofile in Kauf.

Damit sich der Wein genau so entwickelt, wie er es soll, müssen Winzer während des Winters genau darauf achten, eine möglichst optimale Umgebung zu schaffen. Die Kontrolle von Temperaturen und auch der Hefen gehört daher zu ihren wichtigsten Aufgaben. Auch muss dann kurz nach Neujahr der gesamte Keller gründlich gelüftet werden. Dies sorgt für ein starkes Absinken der Temperaturen in den Räumlichkeiten – woraufhin sich der Weinstein absetzt und automatisch für eine Abmilderung der Säure im Wein sorgt.

In den Räumen des Kellers und auch in denen des ganzen Weinguts kümmern sich Winzer dann zusätzlich um anfallende Reparaturarbeiten, das Design von Etiketten und zum Teil auch die Etikettierung von Flaschen selbst. Gründliches Aufräumen und Reinigen bereitet das gesamte Gut auf die neue Saison im kommenden Jahr vor.

Bodenpflege im winterlichen Weinberg

 
Raus aus dem Keller und hinauf auf den Weinberg geht es für Winzer im Winter häufiger als manch einer vielleicht vermuten mag. Sowohl Vorbereitungsarbeiten für Neuanlagen als auch die Bearbeitung bereits bestehender Rebflächen stehen nun an.

Sollen im kommenden Jahr neue Flächen angelegt werden, kümmert sich der Winzer im Winter um das sogenannte „Rigolen“. Hierbei handelt es sich um das gründliche Umgraben der vorab bestimmten Fläche, wobei Wurzelwerk und etwaige Sträucher entfernt werden. Beim Rigolen muss der Boden bis in Tiefen von rund sechzig Zentimetern umgegraben werden, was eine aufwändige und durchaus schweißtreibende Aufgabe sein kann. Viele Winzer setzen hier auf entsprechendes Werkzeug und verwenden nicht selten große Pflüge. Das Rigolen selbst sorgt dafür, dass junge Reben im kommenden Jahr schneller und effektiver in Verbindung mit dem Boden gehen und sich folglich besser entwickeln.

Doch auch bereits bestehende Weinbergflächen müssen im Winter auf das neue Jahr vorbereitet werden. Hier ist frischer Kompost aus altem Schnittmaterial das Mittel der Wahl. Winzer verteilen ihn zwischen den Rebstöcken und arbeiten ihn gründlich in den Boden ein. Das verbessert nicht nur die Aufnahmefähigkeit des Bodens für Wasser, sondern kann auch vor Erosion schützen. Auch das Mulchen der Winterbegrünung ist eine klassische Aufgabe während der kalten Jahreszeit. Wurde die Begrünung bereits im Herbst angelegt, unterstützt sie die Reben im Winter mit wichtigen Nährstoffen. Auch hier sind verbesserte Wasserspeicherung und Erosionsschutz wünschenswerte Effekte.

Auch der Rebschnitt ist im Winter nötig

Baumschnitt im Winter

Vom Boden bis in die Spitzen jedes einzelnen Rebstocks geht es für den Winzer dann beim Rebschnitt. Während der Wintermonate befinden sich alle Pflanzen in einer gewissen Ruhephase – auch als Vegetationsruhe bezeichnet. Hier vertragen die Rebstöcke auch großangelegtes Schneiden und können im Frühjahr wieder kräftig austreiben.

Beim Winterschnitt muss der Winzer zwei Dinge berücksichtigen: Einerseits dient das Beschneiden des Rebstocks der Reberziehung. Hier werden alle Gewächse also dem ausgewählten System angepasst, sodass sich keine unerwünschten Wucherungen zeigen. Außerdem ist die Regulierung des Ertrags eine gewünschte Folge des winterlichen Rebschnitts. Der Winzer entscheidet sich dafür, unterschiedliche Anzahlen von „Augen“ am Stock verbleiben zu lassen. Je geringer deren Anzahl, desto niedriger fällt der Ertrag im Folgejahr aus. Da niedrige Erträge häufig gewünscht sind und die Qualität der einzelnen Traube positiv beeinflussen, fällt der Winterschnitt oft sehr rigoros aus. Für gewöhnlich erledigen Winzer diese Arbeit erst im Februar, wenn sich der Winter langsam seinem Ende entgegenneigt. Kommen dann im März die ersten warmen Sonnenstrahlen, zeigen sich die Weinberge bald schon wieder in dichtem Grün.
 

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