Bei der Horizontalverkostung werden Weine gleichen Jahrgangs bzw. Anbauregion nebeneinander probiert und verglichen. Entdecken Sie die besten Prioratweine aus 2010

Große Priorat-Rotweine – Horizontalprobe Jahrgang 2010

Am letzten Wochenende hatten wir mal wieder Freunde zu Gast, die sehr gerne gute und anspruchsvolle Weine verkosten und sich mit dem Thema Wein auch sehr intensiv beschäftigen. Aus diesem Grund haben wir uns überlegt, wie wir den Abend besonders spannend gestalten können.

Priorat Weine im direkten Vergleich

 Schließlich entschlossen wir uns dazu, eine Horizontalverkostung mit vier großen Weinen des Jahrgangs 2010 aus dem spanischen Anbaugebiet Priorat durchzuführen. Bei einer Horizontalverkostung werden verschiedene Weine aus dem gleichen Jahrgang und möglichst aus der gleichen Anbauregion einzeln bzw. zeitgleich nebeneinander probiert. Der Sinn dieser Verkostung ist es, die Handschrift und Qualität der einzelnen Weine bzw. der Weingüter zu vergleichen und aus dem Verkostungsergebnis auch Aussagen zur aktuellen Trinkreife und zum weiteren Lagerpotential zu bekommen.
 
Wir entschieden uns für den Jahrgang 2010, da dieser Jahrgang eine sehr gute Jahrgangsqualität hat und Weine aus dem Priorat meiner Erfahrung nach fünf bis sieben Jahren eine erste, ausgezeichnete Trinkreife erreichen.

Weinverkostung: Auch auf Temperatur, Glas und Timing kommt es an

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Die Verkostung habe ich wie folgt vorbereitet: Die Weine wurden im Klimaschrank alle auf 17° C temperiert. Priorat-Weine sollten aufgrund ihres relativ hohen Alkoholgehaltes und ihrer Konzentration niemals zu warm, das heißt mit Temperaturen oberhalb von 18° C, getrunken werden. Für jeden Gast wurden vier gleiche Bordeauxgläser der Sommelier-Serie von Riedel vorbereitet. Erfahrungsgemäß präsentieren sich die Priorat-Rotweine in diesen Gläsern exzellent. Die Flaschen wurden ca. eine halbe Stunde vor dem Einschenken gezogen. Statt des Dekantierens haben wir die Weine dann in den Gläsern atmen lassen, um die unterschiedliche Entwicklung nach dem Sauerstoffkontakt noch besser beobachten zu können.
 
Für die Verkostung haben wir folgende Weine ausgewählt: Clos Mogador 2010, Clos Martinet 2010, Vall Llach Porrera Vi de Vila 2010 und Encastell Roquers de Porrera 2010. Nach der ersten sensorischen Prüfung aller Weine fiel auf, dass die Frucht des Clos Mogador deutlich hinter dem Holz lag. Da dies gerade für den Clos Mogador sehr untypisch ist, vermuteten wir einen Weinfehler und öffneten eine zweite Flasche dieses Weines. Diese Entscheidung war absolut richtig, denn die zweite Flasche präsentierte sich fehlerfrei mit kraftvoller, konzentrierter Frucht.
 

Bewertung: Vierfacher Weingenuss der Extraklasse

Porrera Vi de Vila 2010 und Clos Martinet 2010

Vall Llach Porrera Vi de Vila 2010

Bewertung: 96/100 Pkt.
Trinkempfehlung: 2016 bis 2021
 

Verkostungsnotiz:

„Toller Duft von Herzkirschen, eingelegten Früchten und feiner Mineralität. Sehr sexy durch eine tolle Ledernote. Konzentrierter Gaumen mit Noten von Kirschen sowie roten und schwarzen Johannisbeeren. Weiche, gut integrierte Tannine und eine typische Mineralität. Geschmackvolles, fruchtbetontes, lang anhaltendes Finale. Aktuell zeigt er die beste Trinkreife von den vier Weinen der Verkostung. Sollte aber in den nächsten fünf Jahren getrunken werden.“

 
Clos Martinet 2010

Bewertung: 97/100 Pkt.
Trinkempfehlung: 2018 bis 2026+
 
Verkostungsnotiz:

„Brauchte etwas länger als die anderen Weine der Probe, bis sich das Bukett öffnete. Dann begeisterten konzentrierte Aromen von roten und blauen reifen Früchten. Sehr würzig, edle kühle Mineralität und kraftvolle Fruchtnote auch am Gaumen. Extrem komplex mit perfekter Säure und gigantischen Tanninen, die noch nicht vollendet mit der Frucht verschmolzen sind. Sehr langes, konzentriertes und vielschichtiges Finale mit leicht anhängendem Tannin. Dieser großartige Wein hat noch nicht seine volle Trinkreife erreicht, hat aber dafür eine ganz große Zukunft und ich bin froh noch genügend Flaschen im Weinkeller zu haben.“

Clos Mogador 2010 und Roquers de Porrera 2010

 Clos Mogador 2010

Bewertung: 96/100 Pkt.
Trinkempfehlung: 2016 bis 2024+
 
Verkostungsnotiz:

„Sehr offenes Bukett. Toller Duft von Kirschen und Waldbeeren. Veilchen und feuchtem Leder. Am Gaumen eine gigantische Note von Schwarzkirschen, gepaart mit Anklängen von feuchtem Schiefer und einer zarten Animalität. Langes, ebenfalls fruchtbetontes Finale mit großer Frische und hoher Dichte. Wird acht bis zehn Jahre noch viel Freude bereiten.“

Encastell Roquers de Porrera 2010

Bewertung: 97+/100 Pkt.
Trinkempfehlung: 2016 bis 2026+
 
Verkostungsnotiz:

„Spannendes Bukett von roten und schwarzen Früchten. Feuchter, kühler Schiefer und extrem geschmackvollen Anklängen von gerösteten Pinienkernen. Herrliche Frische und Komplexität am Gaumen. Kirschen, ein Korb voll Waldfrüchte und edle Röstaromen. Perfekte Balance, Säure und Tannine. Dreidimensionales Gaumenspiel im Finale mit ausgezeichneter Länge. Dieser große Priorat hat sich in den letzten fünf Jahren großartig entwickelt und wird noch weitere acht bis zehn Jahre den anspruchsvollen Weintrinker begeistern.“

Resümee: Exquisite Weine, die ihrem Preis gerecht werden

Es war eine perfekte Verkostung und ein großartiger Abend mit durch die Bank erstklassigen Weinen. Trotz der relativ hohen Preisklasse (rund 35 bis 60 Euro) waren alle verkosteten Weine mehr als ihr Geld wert. Für Weine in einer derartigen Qualität aus Frankreich, Italien oder Übersee zahlt man nicht selten den doppelten Preis. Hinzu kommt, dass alle vier verkosteten Weine ein weiteres Lagerpotential von mindestens fünf Jahren aufwiesen, was für den Weintrinker mit Weinkeller ja auch stets immens wichtig ist.
 

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