Vom Transportbehälter zum Qualitätssteigerer - Fässer wie die Barricas sind aus der Weinkultur nicht mehr wegzudenken und sorgen für besonderen Geschmack.

Genuss durch Handwerk – Barricas

In einem guten Rioja stecken Leidenschaft und Tempranillo. Auch Rebsorten wie Garnacha, Graciano und Mazuelo sind gern gesehene Partner Spaniens mächtigster Rotweinrebe. Unerlässlich – ja, sogar unverzichtbar – ist jedoch auch hochwertiges Holz. Erst durch die sogenannten Barricas aus französischer oder amerikanischer Eiche erhält der Rioja Tiefgründigkeit und Charme. Ganze 1,2 Millionen Fässer finden sich heute in der ersten D.O.C.-Region des Landes. Grund genug, einen genaueren Blick auf das Bindeglied zwischen Handwerk und Genuss zu werfen.

Die Entstehung der Barricas

Schon die Kelten nutzten Holzfässer für den Transport und die Lagerung von Waren aller Art vor mehr als 2.000 Jahren. Die Römer verhalfen den natürlichen Behältnissen in der Zeit um Christi Geburt zu noch größerem Ansehen und sorgten für eine Verbreitung in ihrem Herrschaftsbereich.

In der moderneren Welt entdeckten frühe Handelshäuser das große Potenzial der Lagerung im Holzfass. Weine, die per Schiff über die Ozeane transportiert wurden, zeigten einen solchen Qualitätsanstieg, dass sich im Laufe der Jahre die Lagerung ganz ohne Transport etablierte. Es heißt sogar, mancher Winzer konnte seine eigenen Produkte nach der Holzfasslagerung nicht mehr erkennen, so gut waren sie geworden.

Barricas

Die heutige Tradition des Barriqueausbaus auf internationaler Ebene nahm jedoch erst in den Achtzigerjahren Fahrt auf. Längst gehörten die Holzfässer in Bordeaux damals zum guten Ton und viele Winzer aus aller Welt nahmen sich die Franzosen zum Vorbild. Auch der Kunde begann, schwere und dichte Rotweine zu schätzen und sorgte für einen starken Anstieg der Nachfrage. So etablierte sich das Holzfass langsam aber stetig in der Weinkultur.

Ein Barrique, in Spanien „Barrica“ genannt, verfügt über ein Volumen von rund 225 Litern. Diese Größe erwies sich in der Vergangenheit als geeignet, um einzelnen Hafenarbeitern das Heben und Verladen der Fässer zu ermöglichen.

Am Beginn der traditionellen Herstellung steht die Auswahl hochwertiger Eichenstämme. Diese werden im weiteren Verlauf per Hand gespalten und zu sogenannten Dauben geformt. Beim Binden der Fässer bringt der Küfer die schmalen Bretter zusammen und erzeugt das klassische Barrique. Um das aromatische Potenzial der Fässer zu steigern, erhalten diese das sogenannte „Toasting“. Hier brennt der Küfer die Innenwände des Fasses aus. Je nach gewünschtem Effekt entsteht ein leichtes, mittleres oder auch starkes Toasting.

Die Verwendung in der Rioja

Barricas

La Rioja wäre ohne die Barricas nicht mehr dieselbe. Der „vino joven“ (Jungwein) gelangt im Anschluss an die Hauptgärung in Holzfässer. Sowohl amerikanische als auch französische Eiche kommen zum Einsatz, wobei viele Bodegas die amerikanische Variante bevorzugen. Dank ihrer grobporigen Beschaffenheit erzeugt sie eine intensivere Reifungsnote. Rioja-Weine aus französischen Eichenfässern sind häufig etwas feingliedriger. Einige Bodegas nutzen bei der Reifung ihrer Weine beide Varianten und profitieren von feinen und intensiven Noten gleichermaßen. Zu sehen ist das im „Reserva de la Familia 2010“ der Bodega Luis Cañas, der zu je fünfzig Prozent in französischer und amerikanischer Eiche gereift ist.

Im Barrica erfolgt nicht nur eine Anreicherung mit den weichen Nuancen des Holzes. Auch stabilisieren sich die Tannine und eine verfrühte Oxidation wird verhindert. Dabei spielt die Dauer der Fassreifung eine wichtige Rolle für die spätere Bezeichnung des Namens. Die wichtigsten Stufen sind:

  • Crianza
  • Reserva
  • Gran Reserva

Während der Crianza mindestens ein Jahr seiner zweijährigen Reifung im Holzfass reifen muss, kommt der Reserva auf ebenfalls mindestens ein Jahr Fassreifung – allerdings bei einer Gesamtreifung von drei Jahren. Ein Gran Reserva darf diese Bezeichnung tragen, wenn er wenigstens zwei Jahre auf dem Fass und drei Jahre auf der Flasche ruhte.

Geschmackliche Wirkung

Kenner wissen, dass sich in jedem Wein sowohl primäre als auch sekundäre und tertiäre Aromen finden lassen. Die Weintrauben bringen primäre Aromen mit sich, bei der Gärung reichern sich sekundäre Noten an und für die tertiären Aromen ist die Reifung des Weines im Barrica verantwortlich. Dann zeigen sich Anklänge von Vanille, Gewürzen und Röstaromen. Auch beeinflusst der Ausbau im Barrica die Struktur der Tannine im fertigen Wein. Sie formen den Körper des Weines, verleihen ihm Struktur und sorgen zudem für herausragendes Lagerpotenzial. Auch erlangt ein Wein im Laufe der Ausbauzeit einen sehr vollmundigen Charakter mit schwerer Tendenz. Sein alkoholreiches Profil gibt ihm gemeinsam mit der enthaltenen Säure Stabilität.

Ein schwerer und vollmundiger Rioja aus dem Barrica erweist sich als eindrucksvoller Solist. Er steht für sich selbst und kann ganz ohne die Begleitung einer Mahlzeit unterhalten. Wer ihn dennoch als Speisebegleiter genießen möchte, findet in würzigem Grillfleisch, Wildragout und intensiven Käse- und Schinkensorten passende Partner.

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