Die 13 Weinbaugebiete in Deutschland: Rheinhessen – Weinriese links des Rheins

Im Bundesland Rheinland-Pfalz, geprägt von sanften, reich begrünten Hügeln, liegt mit Rheinhessen das größte deutsche Weinbaugebiet. Viele Wanderer und Genießer zieht es Jahr für Jahr in die Region, die sich mit ihren Obstbaum-Kulturen, Weinbergen und Windrädern so herrlich erkunden lässt. Der Wein ist zentrales Element in Rheinhessen. Grund genug, auch dieses Anbaugebiet besser kennenzulernen.

 

Weinbau in Rheinhessen: Von den Anfängen bis heute

 

Um zu einem so prestigeträchtigen und großen Weinbaugebiet heranwachsen zu können, brauchte es einen zeitigen Start. Gut, dass Rheinhessen zu jenen Regionen zählt, in denen der Weinbau besonders früh Einzug gehalten hat. Schon 20 vor Christus sollen hier Reben kultiviert und Trauben zu Wein verarbeitet worden sein. Die „Niersteiner Glöck“ ist die deutschlandweit älteste Weinlage mit urkundlichem Beleg aus dem Jahr 742.

Im Mittelalter konzentrierte sich der Bremer Ratskeller ganz auf den guten Ruf der rheinhessischen Weine. Lange Zeit nach der Gründung gab es dort keine anderen Tropfen als den „Gemeinen“ und den „Besseren“ aus Rheinhessen. Über die Jahrhunderte hinweg entwickelte sich das Anbaugebiet gemeinsam mit seinen Winzern, Lagen und Rebsorten weiter. Schon bevor der erste Weltkrieg begann, hatte sich Rheinhessen eine hervorragende Reputation erschaffen. Weine aus der Region waren die Stars auf Auktionen und wechselten für hohe Geldsummen den Besitzer.

Auch der Riesling und weitere weiße Rebsorten erfreuten sich besonderer Beliebtheit. Weißweine wie die „Liebfrauenmilch“ allerdings entwickelten sich in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zu einem gewöhnlichen Massenprodukt, was dem Ruf der Region zunächst schadete. Aus dieser Misere jedoch befreiten sich die rheinhessischen Winzer selbst. Sie besannen sich auf ihre Wurzeln sowie einen qualitätsbewussten Traditionsgedanken und reanimierten Rheinhessens Ruf.

Ihnen und ihren hochqualitativen Weinen zu verdanken ist auch die Aufnahme der Stadt Mainz in das Netzwerk „Great Wine Capitals“ im Jahr 2008. Dieses Netzwerk bereichern darf lediglich jeweils ein Weinbaugebiet eines Landes, das für dessen Qualität und Charakter typisch ist. Zu den Wine Capitals gehören unter anderem auch Kapstadt, Florenz, Bilbao und Bordeaux.

Heute stehen in Rheinhessen rund 26.758 Hektar unter Reben. Das Anbaugebiet verfügt über 23 Groß- und 414 Einzellagen, für deren Pflege mehr als 6.000 Winzer einstehen. Wer sich darüber hinaus fragt, wie weit verbreitet der Weinbau in Rheinhessen ist: 136 Ortschaften zählt die Region und nur in fünf von ihnen gibt es auf der jeweiligen Gemarkung keinen Weinbau. Das Ergebnis der jährlichen Arbeit in den rheinhessischen Weinbergen sind etwa 2,5 Millionen Hektoliter Wein.
 

Rheinhessen: Landschaft und Klima

 

In Rheinhessen wird der Besucher vor allem weich geformtes Hügelland und eher selten Steillagen vorfinden. An den Rändern der Region finden sich Mittelgebirge wie Hunsrück und Taunus, die das Anbaugebiet vor widrigen Witterungseinflüssen schützen. Hier, im oberrheinischen Tiefland, liegt folglich eine warme und trockene Region, in der es auch im Winter nur selten zu extremen Frösten kommt.

Die Böden in Rheinhessen sind vielfältig geprägt, was auch den Weinen facettenreiche Gesichter verleiht. Besonders häufig vertreten ist dabei Löss, das von den Wurzeln der Rebstöcke angenehm leicht durchdrungen werden kann, Wärme speichert und Feuchtigkeitsreserven bietet. Weitere Gesteinsarten, die sich in Rheinhessen zeigen, sind Mergel, Porphyr oder auch Quarzit.
 
 

Rebsorten und Weine der Region

 

Rheinhessens Winzer machen keinen Hehl daraus, dass hier vor allem Weißwein gedeiht. Rund 71 Prozent der Rebfläche sind mit hellen Sorten bestockt. Die „Top 4“ der Weißwein-Rebsorten der Region sind:

  • Riesling
  • Müller-Thurgau
  • Silvaner
  • und Grauer Burgunder.

 

Trotz der Tatsache, dass nur noch knapp 29 Prozent der Rebfläche für sie übrigbleiben, beweisen die Rotweine Rheinhessens Charakter und Qualität. Sie sollten daher auf keinen Fall übergangen oder vergessen werden, wenn es um die Erkundung des Potenzials der gesamten Region geht. Am beliebtesten unter den roten Rebsorten in Rheinhessen sind Dornfelder und Spätburgunder.

Ein homogenes Bild vom rheinhessischen Wein zu zeichnen, ist angesichts der Größe und Vielfalt der Weinregion nicht möglich. Unterschiedliche Böden, Lagen und Mikroklimata beeinflussen die Stilrichtungen im Gebiet deutlich. Hinzu kommt die Tatsache, dass auch Rheinhessens Winzer ihren ganz persönlichen Stil entwickeln und um die Gunst des Genießers buhlen. Von sanft-fruchtigen Weißweinen über Kraftpakete mit straffer Säure bis hin zu edelsüßen und warmen Tropfen in goldgelbem Gewand ist die Weinweißpalette der Region extrem facettenreich. Bei Rotweinen verhält es sich ähnlich. Hier gibt es leichtere und schwerere Vertreter, die Weinliebhabern reichhaltige Frucht, angenehm eingebundene Gerbstoffe und feine Säure zu bieten haben.
 

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