Alkoholgehalt und Wein

Alkoholgehalt im Wein: Was Genießer wissen sollten

Nicht nur Kenner wissen: Ohne Alkohol wäre Wein nur Traubensaft. Zu den wichtigsten Aufgaben eines Winzers gehört daher die Begleitung des Prozesses, in dessen Rahmen aus Zucker Alkohol entsteht. Der Alkoholgehalt fällt dabei sehr unterschiedlich aus und beeinflusst den Charakter eines Weins maßgeblich. Eine kleine Reise in die Welt des Volumenprozent erklärt, warum Alkohol und Weingenuss zusammengehören.

Alkohol-Arten und übliche Werte

Wein Alkoholgehalt | Silkes Weinblatt

Wer glaubt, dass sich in Wein ausschließlich eine Art Alkohol finden lässt, irrt. In Wirklichkeit nämlich sind es drei verschiedene Arten von Alkoholen, die in Summe den Alkoholgehalt ergeben. Diese lassen sich in die Kategorien

  • Ethylalkohol
  • Methylalkohol
  • und höherwertige Alkohole

unterteilen. Während Ethylalkohol den Großteil des Alkoholgehalts ausmacht, liegt der Gehalt von Methylalkohol niedriger. Diese Variante wird im Rahmen des enzymatischen Pektin-Abbaus gebildet. Je länger der gärende Most in Verbindung mit der Maische bleibt, desto höher fällt der Gehalt an Methylalkohol aus. Die höherwertigen Alkohole sind im Grunde nichts anderes als geringfügig vorhandene Nebenerzeugnisse der alkoholischen Gärung durch Hefen. Sie allerdings dürfen trotz ihrer geringen Menge nicht fehlen, denn ihr Potenzial, den Charakter eines Weins zu beeinflussen, ist groß.

Was die Höhe des Alkoholgehalts in Wein betrifft, so zeigen sich deutliche Unterschiede. Grundsätzlich verfügen leichte Weine über weniger Alkohol als schwerere Tropfen. Im Rahmen der natürlichen Gärung von Wein sind Maximalwerte von rund 16,5 Volumenprozent erreichbar. An der Spitze der alkoholreichen Tropfen jedoch stehen sogenannte aufgespritete Weine wie Portwein, deren Alkoholgehalt deutlich über dieser Schwelle liegen kann. Das zeigt sich beispielsweise am Niepoort Tawny Port, der mit zwanzig Volumenprozent daherkommt.

Faktoren, die den Alkoholgehalt beeinflussen

Der Alkoholgehalt eines Weins wird nicht von einem Faktor alleine bestimmt. So handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Einflüsse, die letztlich für mehr oder auch weniger Alkohol im Wein sorgen.

Wie lange der Gärungsvorgang dauert, ist ein wichtiger Hinweis. Wie bereits erwähnt, steigt die Menge an Methylalkohol mit der Dauer der Gärung – was sich automatisch auch auf den Alkoholgehalt im Ganzen auswirkt. Der Grund dafür, dass längere Gärvorgänge für mehr Alkohol sorgen, führt den Genießer zum zweiten wichtigen Faktor – dem Zuckergehalt. Da Hefen im Rahmen der Gärung Zucker verstoffwechseln und so Alkohol entstehen lassen, kann ein höherer Zuckergehalt in Most und Lesegut für steigende Alkoholgehalte sorgen. Teilweise ist es möglich, dem Most vor der Gärung Zucker zuzusetzen, um den Alkoholgehalt auf diese Weise zu steigern. Winzer, die diesen Schritt vornehmen wollen, müssen sich jedoch an gesetzliche Höchstmengen halten.

Unterschieden werden muss hier auch zwischen weißen, roséfarbenen und roten Weinen. Da Weißweine und Rosés für gewöhnlich nicht oder nur sehr kurz auf der Maische gären, verfügen sie letztlich über geringere Alkoholgehalte als Rotweine, bei denen eine längere Lagerung auf der Maische üblich ist.

Ebenfalls bedeutsam für den Alkoholgehalt in Weinen ist das Mostgewicht des Leseguts. Ganz automatisch heißt das: Auch die klimatischen Voraussetzungen, die jeweilige Rebsorte und der Ertrag pro Hektar sind dazu in der Lage, den Alkoholgehalt zu heben oder zu senken. In vielen Fällen neigen Weine aus wärmeren Ländern zu vergleichsweise hohen Alkoholgehalten. Das liegt mitunter daran, dass die Beeren hier länger und intensiver ausreifen können und folglich über höhere Mostgewichte verfügen.
 

Alkoholgehalt und Charakteristik

| Silkes Weinblatt

Ambitionierte Köche und Genießer wissen um die Bedeutsamkeit von Geschmacksträgern. Doch nicht nur Fett kann das aromatische Potenzial einer Mahlzeit oder eines Getränks erhöhen. Auch Alkohol gehört zu den fähigsten Geschmacksträgern der Genusswelt und ist daher eng verbunden mit dem Genusscharakter eines Weins. Schließlich lösen sich zahlreiche aromatische Bestandteile erst in Alkohol. Tropfen mit höherem Alkoholgehalt hinterlassen beim Genießer daher meist einen sehr viel intensiveren Eindruck als leichte Weine, die oft nur Anklänge und zarte Nuancen zu bieten haben.

So lassen sich unterschiedliche Auswirkungen des Alkoholgehalts auf die Wirkung eines Weins erkennen. Steigt mit dem Gehalt auch der Anteil an Glycerin, einem höherwertigen Alkohol, werden Weine vollmundiger, runder und präsentieren am Gaumen gerne einen angenehm weichen Eindruck. Auch ist Alkohol dazu in der Lage, Säuren zu mildern, was dem Wein wiederum Bodenständigkeit und Harmonie verschafft.

Ebenso die gefühlte Schwere eines Tropfens steht in direkter Verbindung zum Alkoholgehalt. Als leicht bezeichnet werden Weine mit nicht mehr als zwölf Volumenprozent, während Tropfen mit über 13,5 Volumenprozent Alkohol als schwer gelten. Zu den schweren und ausgewogenen Weinen gehören Tropfen wie der „Sessantanni 60 anni Primitivo di Manduria 2014“ aus dem Hause San Marzano mit rund 14,5 Volumenprozent. Dass indes nicht nur Rotweine mit fülligem Körper und schwerem Charakter daherkommen können, beweist der „Pazo de Señorans Albariño 2016“, dessen Alkoholgehalt bei 13,5 Volumenprozent liegt.

Winzer müssen bei der Gärung von Wein größte Sorgfalt walten lassen, denn es kann durchaus auch ein zu hoher Alkoholgehalt entstehen. Der sogenannte „Sweet Point“ oder auch „Sweet Spot“ beschreibt den Moment, an dem die Alkoholmenge als optimal gilt. Hier zeigt ein Wein sich in aromatischer Hinsicht ausgewogen und harmonisch, besticht durch einen reichen Körper und lässt auch seinen individuellen Charakter nicht vermissen. Dieser Punkt wird jedoch oft erst dann erreicht, wenn sich der Alkoholgehalt bereits im Bereich der schwereren Tropfen bewegt. Genießer sollten daher keine Scheu zeigen, auch den fülligen Vertretern der Genusswelt einen Platz in ihrem Weinkeller einzuräumen.

Alkoholfreie Weine von Silkes Weinkeller

Produktbild zu Strauch Blanc Pur alkoholfrei ** von Strauch Sektmanufaktur

Strauch Sektmanufaktur

Land: Deutschland
Anbauregion: Rheinhessen
Rebsorte: Riesling
Geschmack: trocken
9,99 €
13.32€/l
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